Content Moderation zwischen Anstandsdame, Schiedsrichter und Zensor? Zu Formen der Kommunikationskontrolle und ihren Folgeproblemen
DOI:
https://doi.org/10.60678/gmj-de.v15i2.331Schlagworte:
Content Moderation, Kommunikationskontrolle, Kommunikationstheorie, Systemtheorie, Luhmann, Hate Speech, Zensur, Anstandsdame, SchiedsrichterAbstract
Der Beitrag untersucht Content Moderation (CM) aus systemtheoretischer Perspektive als Form der Kommunikationskontrolle. Statt zu normativen oder juristischen Einordnungen zu gelangen, wird CM als praktisches Problem innerhalb kommunikativer Systeme verstanden. Drei historische Sozialfiguren – „Anstandsdame“, „Schiedsrichter“ und „Zensor“ – dienen als heuristische Vergleichspunkte, um unterschiedliche Modi und Probleme der Kommunikationskontrolle zu illustrieren: von interaktiver Überwachung über organisationale Regelanwendung bis hin zur gesellschaftlichen Kontrolle des Sagbaren. Dabei zeigt sich, dass Kommunikationskontrolle stets in Zielkonflikte gerät, die die häufig beobachteten Probleme der Content Moderation zum Ausdruck bringen: zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Normsetzung und -durchsetzung sowie Anschluss und Ausschluss. Die Medienlogik digitaler Kommunikation (Asynchronität, Anonymität und Reichweite) verschärft diese Konflikte. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass CM als Praxis verstanden werden muss, deren Zielkonflikte sich nicht abschließend lösen lassen, sondern deren Bearbeitung selbst zur dauerhaften gesellschaftlichen Aufgabe wird.
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