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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dieser ersten Ausgabe der deutschen Edition des Global Media Journals (GMJ-DE) möchten wir als Herausgeberinnen neue Wege in der hiesigen kommunikations- und medienwissenschaftlichen Fachliteratur einschlagen.

Dies betrifft zunächst die inhaltliche Fokussierung auf inter/transnationale und inter/transkulturelle Kommunikationsforschung, welche sich mit großer Dynamik weiterentwickelt. Es geht ihr vor allem um eine Analyse Grenzen überschreitender Kommunikationsprozesse und ihrer politischen, kulturellen und ideellen Orientierungshorizonte und Bedingungen. Allein die Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit von der öffentlichen Diskussion um die Thesen Thilo Sarrazins über muslimische Einwanderer bis hin zur Einordnung der Rolle der Medien bei den Umbrüchen in der arabischen Welt machen nicht nur den enormen Bedarf an theoretischen und empirischen Entwürfen deutlich, sondern auch deren politische Notwendigkeit.

Das GMJ-DE ist deshalb als „offenes“ und nicht-kommerzielles Online-Forum konzipiert, um möglichst die Bandbreite des wissenschaftlichen Feldes und der Medienpraxis abbilden und diskutieren zu können. Die „offenen Grenzen“ der Fachdisziplin und der Ausrichtung des GMJ-DE spiegeln sich schließlich in seiner Zweisprachigkeit wider.

In diesem Sinne freuen wir uns auf Beiträge und Anregungen aller interessierten Fachkolleginnen und -kollegen und danken all jenen, die im Beirat und als Gutachterinnen und Gutachter das Erscheinen dieses Journals unterstützt haben.

Wir wünschen eine spannende Lektüre.
Carola Richter & Christine Horz

Review: Widerstand im Netz. Zur Herausbildung einer transnationalen Öffentlichkeit durch netzbasierte Kommunikation.

Winter, Rainer (2010): Widerstand im Netz. Zur Herausbildung einer transnationalen Öffentlichkeit durch netzbasierte Kommunikation. Bielefeld: transcript Verlag. 165 Seiten. ISBN 978-3-89942-555-0.

Review von Marcus Michaelsen

Mit seiner Studie liefert Rainer Winter einen Beitrag zu einer Debatte, die die Ausbreitung des Internet von Anfang an begleitet und mit der rasanten Entwicklung netzbasierter Kommunikation nur noch an Intensität gewonnen hat: die Frage nach dem demokratischen Potential neuer Informationstechnologien. Als Vertreter der Cultural Studies legt Winter besonderes Augenmerk auf soziale Akteure und Bewegungen, die über eine Artikulation alternativer Gesellschaftsvorstellungen dominante Diskurse und Machtstrukturen herausfordern. Zentrale Fragestellung ist dabei, ob das Internet die Bildung einer transnationalen Öffentlichkeit unterstützt und zu demokratischen Transformationen genutzt werden kann.
In der einführenden theoretischen Diskussion distanziert sich der Autor von einer technologisch determinierten Herangehensweise, die der prinzipiell dezentralen, partizipativen und interaktiven Funktionsstruktur des Internets kausale Effekte zuschreibt. Dem Kulturbegriff der Cultural Studies entsprechend werden Bedeutungen und Gebrauchsweisen von Medien erst bei Aneignung durch die Nutzer konstruiert. Dementsprechend müssen Untersuchungen zu Anwendungsformen des Internets immer auch den sozialen und kulturellen Kontext einbeziehen.
Mit Blick auf die Rolle des Internets in Globalisierungsprozessen beschreibt Winter die Herausbildung einer transnationalen Zivilgesellschaft: soziale Bewegungen und NGOs, die mithilfe digitaler Netzwerke über nationalstaatliche Grenzen hinweg agieren und sich als eine Kontroll- bzw. Gegenmacht zu dominanten Akteuren in Nationalregierungen, internationalen Konzernen und Organisationen verstehen. Eine erste Manifestation dieser Form von Zivilgesellschaft sieht Winter in den Protesten gegen die WTO in Seattle 1999, die weltweit von zahlreichen NGOs unterstützt wurden.
Anschließend wendet sich der Autor dem Internet selbst zu und stellt kurz dessen Entwicklung sowie Hindernisse einer barrierefreien Onlinekommunikation dar: digital divide, fragmentierte Teilöffentlichkeiten sowie Aufmerksamkeitsströme zugunsten etablierter Massen- und Unterhaltungsmedien. Zudem skizziert er mögliche Interaktionen von Markt, Staat und Zivilgesellschaft mit dem Netz. Um die Formierung sozialer Beziehungen und Identitäten im Internet genauer zu beleuchten, nutzt Winter den Begriff der „electronic tribes“ – netzwerkartige Zusammenschlüsse von Individuen mit gemeinsamen Interessen und Zielstellungen. Ein Exkurs über digitale Fankulturen ergänzt diesen Abschnitt.
Ein weiteres Kapitel diskutiert Perspektiven einer demokratischen Öffentlichkeit im Netz unter Verwendung des deliberativen Demokratiemodells nach Habermas. Der Auffassung des Autors nach schaffen es vor allem „digitale transnationale zivilgesellschaftliche Portale […], über die Anbindung an die lebensweltlichen Kontexte der Nutzer, diese für die Partizipation an politischen Prozessen zu gewinnen“ (96). Demnach können über transnationale Onlinekommunikation gesellschaftliche Problemlagen thematisiert und anschließend gemeinsame Deutungsrahmen entwickelt werden; eine zentrale Voraussetzung für kollektives Handeln. Neue Informationstechnologien ermöglichten es untergeordneten Akteuren, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen und weltweit um Unterstützung zu werben. Zur Untermauerung seiner Argumentation greift der Autor auf das in diesem Zusammenhang häufig zitierte (und leider etwas veraltete) Beispiel der mexikanischen Zapatista-Bewegung zurück, der es in den 1990er Jahren gelang, über eine Anbindung an die weltweite Antiglobalisierungsbewegung auf ihren Widerstand gegen die mexikanische Zentralregierung aufmerksam zu machen.
Schließlich liefert die Studie Fallbeispiele von Webseiten bzw. Internetportalen dreier Organisationen, die der Autor einer transnationalen Zivilgesellschaft zurechnet: Association for Progressive Communication, Friends of the Earth International und OneWorld. Ergänzend wird die Homepage der Europäischen Union als transnationales Portal institutionalisierter Politik betrachtet. Diese Webseiten werden eher deskriptiv behandelt, der Autor bietet einen groben Überblick über Aktivitäten und Ziele der jeweiligen Organisation sowie den Aufbau der Onlinepublikation. Ein Großteil der Informationen scheint allerdings den Selbstauskünften der Akteure im Netz entnommen zu sein. Eine Analyse oder kritische Einordnung der Relevanz dieser Webseiten erfolgt nicht, weder über quantitative Nutzerzahlen, noch Verlinkungsstrukturen oder ethnografische Beschreibungen einzelner Anwender, Kampagnen oder Debatten, die mithilfe dieser Webseiten initiiert worden wären.
Auf Basis dieser Ausführungen kommt der Autor zu der Schlussfolgerung, dass das Internet die Artikulation alternativer Positionen erleichtert. Er beobachtet im Netz „kreative Widerstandspraktiken“, die einerseits auf eine Demokratisierung der Onlinekommunikation selbst abzielen, etwa indem sie über Förderung von Medienkompetenzen mehr Nutzern eine aktive Anwendung des Internets ermöglichen wollen, andererseits aber auch immer mit offline-Realitäten verflochten sind. Laut Winter fördert das Internet kosmopolitische Sichtweisen, die lokale und globale Belange miteinander verknüpfen und für weltweite Gerechtigkeit eintreten. Die wichtigsten Akteure der entstehenden transnationalen Öffentlichkeiten sind für ihn NGOs, die grenzüberschreitend Menschen für bestimmte Anliegen mobilisieren und auf politische Entscheidungen einwirken.

In Anbetracht der Schwierigkeit, zu einem sich rasch entwickelnden Forschungsfeld zu publizieren, liefert die Studie einen guten Einstieg in laufende Diskussionen zu möglichen demokratischen Funktionsleistungen des Internets. Die Einbettung in die Cultural Studies, die der Autor als eine Form Kritischer Theorie versteht, verleiht der Arbeit einen engagierten Charakter, so dass Anwendungsformen und Entwicklungspotentiale aufgezeigt werden, die es für den Ausbau einer grenzüberschreitenden demokratischen Öffentlichkeit weiter zu verfolgen gilt. Gleichwohl verbleibt die Argumentation zum großen Teil auf einer eher theoretischen Ebene und nutzt kaum empirische Erkenntnisse. Die Forschung zur Transnationalisierung von Menschenrechten etwa hat die Zusammenarbeit lokaler Akteure mit transnationalen NGOs bereits genauer untersucht und dabei besonders die Rolle von Diskursstrategien und Kommunikationsflüssen beim Widerstand gegen Normverletzer hervorgehoben.
Nicht zuletzt blendet der Fokus des Autors auf transnationale NGOs, deren Ursprung meist in westlichen Industrieländern liegt, wichtige Aspekte der Debatte zu Internet und Demokratisierung aus. So wird der Gebrauch sozialer Netzwerke durch die iranische Protestbewegung im Sommer 2009 zwar noch erwähnt, insgesamt aber nicht auf eine mögliche Rolle des Internets beim Widerstand gegen autoritäre Regime eingegangen. Dieser Themenbereich, dessen Bedeutung spätestens mit den politischen Umbrüchen in Nordafrika nicht mehr von der Hand zu weisen ist, wäre mit Hinblick auf die von Winter aufgeworfene Frage nach dem Beitrag des Internets zu demokratischer Transformation durchaus von Interesse gewesen. Gerade die Cultural Studies sollten Erkenntnisse dazu liefern können, ob und wie die innerhalb repressiver politischer Systeme im Netz entwickelten Gegenkulturen politisches Potential entfalten. Hier hätte eine Gelegenheit bestanden, diesen Ansatz für die Forschung in nicht-westlichen Kontexten weiter zu öffnen und fruchtbar zu machen.

From confrontation to understanding: In/exclusion of alternative voices in online discussion

Tamara Witschge | PDF-Fulltext

Abstract: This article examines the potential and limitations of the internet’s use for democratic debate. Academic literature on the potential uses of the internet to enhance democratic discussion in Western democracies almost always falls exclusively on one side of the optimist/pessimist divide. This article responds to the need for more situated knowledge, using an in-depth critical discourse analysis of the public debate on immigration in the Netherlands. The Dutch public debate on immigration and integration has been dominated in the past decade by a sense of deep ideological differences. The analysis conducted in this article reveals the power relations between the dominant and alternative discourses on immigration. It shows the ways in which online alternative voices deemed too radical by the mainstream public are excluded from participation in the public debate. The paper furthermore addresses the potential for understanding and for meaningful interaction across difference and illustrates the role of alternative styles of communication in online discussions. As such it contributes to our understanding of cross-cultural communication as well as that of online interaction. The study, though limited to case studies in the Netherlands, addresses a question relevant beyond the specific case and national context examined: how to establish meaningful interaction in light of difference?

Co-Producing the Memory. Cinema Production between Europe and the Middle East

Article From the Field by Irit Neidhard | PDF-Fulltext

Abstract: Over the past ten years an increasing amount of films from the Middle East have entered the international film festival circuit. Some major works like Paradise Now (Al-Jana Alan, Hany Abu Assad, NL/D/F/IL 2005), Caramel (Sukr Banat, Nadine Labaki, F/LB 2007), or Waltz With Bashir (Waltz Im Bashir, Ari Folman, IL/D/F/USA/B/CH/AUS 2008) also get theatrical releases in Europe and the USA. There they are often read as documents and authentic insights into a foreign culture.

At the same time German funds boasted about the Oscar nominations for Paradise Now and Waltz with Bashir. Michael Schmid-Ospach, then head of influential Filmstiftung NRW was quoted in a fund’s press release of February 2nd 2006: ‘I keep my fingers crossed that Paradise Now will also take the Oscar to NorthRhine-Westphalia’, and the daily newspaper Hamburger Abendblatt stated on March 16th 2009 that Waltz With Bashir was ‘besides Uli Edel’s The Baader Meinhof Complex and Werner Herzog’s documentary Encounters at the End of the World yet another German iron in the award-fire’.

Due to very high production costs of cinema movies, and a lack of funding in the region of origin, most of the financing for films from the Middle East is provided by European public funds. As ownership of a film is bound to financing, Paradise Now and Waltz With Bashir are indeed German movies.

In this article I aim to look at the effects of co-production between Europe and the Middle East on the processes of production and the reception of the films. A short overview of public film policy in Arab Middle Eastern countries and Israel, as well as an example of European public media interventions in the Middle East, introduce key aspects of production and ideas behind European approaches to film-making in the region.

Internet(forschung) in der arabischen Welt: Laute Hoffnungen, leiser Wandel

Ein Essay von Ines Braune | PDF-Fulltext

Abstract: Seit der Einführung neuer Medien in der arabischen Welt werden immer wieder die Hoffnungen und Visionen genährt, der veränderte Zugang zu und Umgang mit Informationen bringe die starren Systeme ins Wanken.

Satellitenfernsehen versprach erstmals Zugang zu Informationen (und Unterhaltung), die nicht von den jeweiligen nationalstaatlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten für die Bevölkerung konzipiert waren. Standen die Entstehung und Entwicklung der Rundfunk- und Fernsehsysteme in engem Zusammenhang mit der Etablierung der Nationalstaaten nach ihrer Unabhängigkeit, so versprach der Zugang zu Informationen über auswärtige Kanäle neue Impulse für die Entwicklung. Die Regierungen der arabischen Staaten reagierten in den 1990er Jahren zunächst mehr oder weniger restriktiv auf die Einführung des Satellitenfernsehens bis sie selbst Satellitensender entwickelten.

Viel unbeherrschbarer scheinen die Konsequenzen, die mit der Einführung des Internets verbunden sind. Losgelöst von raumzeitlichen Grenzen werden Informationen für jedermann verfügbar, auch für die politischen Oppositionsbewegungen, die sich mit Hilfe des Internets sammeln und vereinen können.
Gerade mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in Tunesien und Ägypten scheinen die Vernetzungsmöglichkeiten des Web 2.0 von besonderer Brisanz. Viele politische Systeme in der arabischen Welt geraten ins Wanken, nachdem zunächst der tunesische Machthaber Ben Ali abgetreten ist. Aber welchen Anteil haben daran die Medien? Um zu polarisieren, behaupte ich: keinen ausschlaggebenden.

Review: Türkische Presse in Deutschland. Der deutsch-türkische Medienmarkt und seine Produzenten.

Nesrin Z. Calagan (2010): Türkische Presse in Deutschland. Der deutsch-türkische Medienmarkt und seine Produzenten. Bielefeld: transcript Verlag, 298 Seiten, ISBN 9-783837-613285.

Review von Carola Richter, Erfurt

Etliche Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich türkischstämmige Mediennutzer in Deutschland viel stärker als andere Migranten an den Medien aus ihrem Ursprungsland orientieren. Das Stigma der türkischen „Parallelgesellschaft“ – findet es im Mediensektor seine Entsprechung? Nesrin Calagan widmet sich in ihrer Studie nun erstmals ausführlich den Strukturen und Strategien der Produzenten dieser Medien und auch sie spricht von einem Sektor „der bis heute unabhängig vom deutschen Printmedienmarkt agiert und einem eigenen Regelsystem zu unterliegen scheint“ (11). Die Ursachen dieser Abkopplung sind nicht zuletzt in der (lange nicht vorhandenen) Migrationspolitik der deutschen Aufnahmegesellschaft zu suchen, die weder die adäquate Repräsentation des Lebens türkischer Migranten noch die Integration von Medienproduzenten türkischer Herkunft ins deutsche Mediensystem förderte.

Die Autorin streift diese Debatte zwar nur in ihrem Fazit und fokussiert für ihre Analyse auf eine weniger politisch brisante medienökonomische Perspektive, ergänzt durch eine „Theorie ethnischer Medien“ (28). Dabei bleibt ein wenig im Unklaren, warum gerade zwei US-Studien aus den 1920ern und 1950ern als Referenz für die Analyse dienen und – etwas stiefmütterlich behandelte – neuere Ansätze nur mehr benannt, aber nicht weiter diskutiert werden, wie bspw. Ansätze von Charles Husband. Ebenso merkwürdig ist, dass die konkrete Fragestellung lediglich in einer Fußnote auf S. 93 abgehandelt wird. Leider werden auch keine die Empirie unmittelbar strukturierenden Fragen aus der Theorie abgeleitet.
Abgesehen von dieser zunächst ein wenig verbundlos erscheinenden theoretischen Einleitung, gelingt es der Autorin aber in den Kapiteln 3 bis 5 mittels einer ausgereiften Methodik eine stringente Analyse zu leisten, bei der eine schlüssige Typologie von Medienproduzenten herausgearbeitet wird, durch die der Leser die unterschiedlichen journalistischen und unternehmerischen Kalküle und ihre Effekte für den deutsch-türkischen Pressemarkt kennenlernen, einordnen und schließlich für die Integrationsdebatte nutzbar machen kann.

Calagan hat zwischen 2003-2005 Interviews mit Produzenten von 8 Printmedien geführt, deren Mutterorgane einerseits in der Türkei sitzen und die in Deutschland einen zweiten Markt sehen, und andererseits solchen, die sich ausschließlich in Deutschland aus der Community der türkischen Migranten entwickelt haben.

Sie beginnt dazu mit einer kompakten Darstellung der historischen Entwicklung der Medien in der Türkei in Kapitel 2. Dies ist tatsächlich verdienstvoll, denn bisher ist dies im deutsch-sprachigen Raum noch nicht erfolgt. Allerdings hätte man sich auch eine ausführlichere Darstellung der Entstehung und gegenwärtigen Situation der deutsch-türkischen Medien gewünscht, sowie eine bessere Verbindung mit den theoretischen Prämissen.

Im Weiteren vergleicht die Autorin das Wirken der Produzenten zunächst anhand von 5 Kategorien – Arbeitsprofessionalität, Interesse am deutschen Medienmarkt, Unternehmensstrategie, Zielgruppe, Verhältnis zur Konkurrenz – um schließlich die unterschiedlichen Ausprägungen dieser Kategorien zu 3 Prototypen zu verdichten.

Demnach sind die Produzenten der originär türkischen Presse wie Hürriyet, Zaman oder Cumhuriyet offensichtlich nicht mehr in der Lage, die Lebenswelten eines Großteils der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland adäquat abzubilden, können aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verankerung in der Türkei den deutsch-türkischen Pressemarkt dominieren. Während die „phlegmatischen Ideologen“ unter ihnen aber vor allem an der Aufrechterhaltung der Türkei-Bindung und der Vermittlung spezifischer kultureller Werte interessiert sind, orientieren sich die auch vorhandenen „flexiblen Pragmatiker“ zunehmend an ökonomischen Motiven und gehen deshalb auch eher auf die Erfordernisse der Zielgruppen in Deutschland ein, bspw. durch deutschsprachige Beilagen und einer stärker ausgeprägten Lokalberichterstattung. Nichtsdestotrotz sinken die Auflagen dieser Medien in Deutschland.
Der dritte Typ, der „innovative Amateur“, wird durch politisch motivierte Deutschtürken bestimmt, die auf die Dominanz der originär türkischen Medien mit eigenen, vorrangig deutschsprachigen Medien reagieren wollen. Sie wollen dabei sowohl in die türkische Community hineinwirken, aber auch eine Anbindung zur Mehrheitsgesellschaft herstellen und somit bisher unterbelichtete Themen in den öffentlichen Diskurs einbringen. Letztendlich muss Calagan aber deren Scheitern aus finanziellen Gründen diagnostizieren. Sie sieht aber in der Verknüpfung aus dem ökonomischen Knowhow des „Pragmatikers“ und der integrativ orientierten Motivation des „Amateurs“ einen Idealtyp (237) für einen zukünftigen deutsch-türkischen Pressemarkt. Diesen Idealtyp zu fördern und damit auch die Möglichkeit zur Selbstrepräsentation von Migranten zu gewährleisten, sollte auch Aufgabe der deutschen Politik sein.

Einige Nachlässigkeiten im Lektorat (uneinheitliches Literaturverzeichnis, Rechtschreibfehler, Wechsel zwischen der ich-Form und der unpersönlichen Rede in der 3. Person) sowie die fehlerhafte Schreibung einiger Autoren (Weichenberg statt Weischenberg und Srebeny statt Sreberny) sind ärgerlich, schmählern aber die Leistung der Autorin nicht. Insgesamt lässt sich das Buch sowohl als wissenschaftliche Arbeit mit ausführlichem Methodenteil lesen, als auch selektiv zur Information über türkische Medien und die Strategien und Strukturen dieser Medien im deutsch-türkischen Markt.

A European Football Family? German and British Television Broadcasts of the 2010 Football World Cup and the Representation of Europe

Dennis Lichtenstein & Cordula Nitsch | PDF-Fulltext

Abstract: The Football World Cup tournament ranks amongst the largest international sports events, captivating vast live and television audiences. A key characteristic of football can be seen in its community-building function. Football provides opportunities for identification, strengthening local and national bonds. But does this also apply to the still vague category of Europe? Does the televised coverage of the Football World Cup hold the potential to foster a European identity? This paper employs a quantitative content analysis of the German and British live-commentaries of the 2010 World Cup matches between European and non-European teams. It analyzes and compares the description and evaluation of European and non-European participants. TV-commentaries have proven an ability to influence the audiences´ perception of the match. It is therefore assumed that the commentaries contribute to a feeling of European identity and unity – if they make the European category salient. The analysis reveals some differences in the portrayal of European and non-European participants with the commentators paying more attention to participants from European countries. Whereas the evaluation of the European and non-European teams differs, the evaluation of the individual football players is well-balanced. In regard to the analyzed criteria, British and German commentaries tend to be very similar.

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You are invited to send full paper submissions addressing any topic relevant to international or transcultural communication and media until February 15, 2019 to be considered for the Spring/Summer issue.

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The German Edition is edited by Prof. Dr. Carola Richter and Dr. Christine Horz and hosted at Freie Universität Berlin and the University of Erfurt.

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