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Rezension: Grenzüberschreitender Journalismus. Handbuch zum Cross-Border-Journalismus

Alfter, Brigitte (2017): Grenzüberschreitender Journalismus. Handbuch zum Cross-Border-Journalismus. Köln: Herbert von Halem Verlag. 204 Seiten. ISBN 978-3869622323.

Liane Rothenberger, Ilmenau

Dieses Buch ist eines, das sich Redaktionen leisten sollten, die über den nationalen Tellerrand hinausschauen möchten. Laut Einband versprechen die 200 Seiten (davon zehn mit Literaturquellen) eine „praktische Einführung in die neue journalistische Arbeitsmethode“, nämlich die Zusammenarbeit von Journalisten in internationalen Teams, auch genannt „Cross-Border-Journalismus“. Dass Journalistinnen und Journalisten über Ereignisse berichten, die mehrere Länder betreffen und auch mal Dokumente austauschen, gab es vermutlich schon immer – ob Affäre Dreyfus oder Auslandskorrespondenten während der Zeit des Völkerbundes. Dass sie aber ihre Recherchen penibel aufeinander abstimmen und sich über einen gemeinsamen Termin zur Veröffentlichung verständigen, das, so Alfter, sei erst in den 1970er Jahren in den USA durch eine Bewegung zum Recherchejournalismus entstanden.
Alfters Buch erschien auf Dänisch bereits 2015 und demnächst soll eine englische Version publiziert werden. Es ist chronologisch am journalistischen Prozess orientiert: von der Idee über die Recherche zur Veröffentlichung, Weitergabe von Erfahrungen an Kolleginnen und Kollegen und Vorbereitung der nächsten Recherche(idee). Häufig bleibt einiges an Recherchematerial ungenutzt, was wiederum den Ausgangspunkt für weitere Recherchen bilden kann. Cross-Border-Journalismus ist eine oft langwierige und mühselige Arbeit: Wie erhalte ich eine Liste mit polnischen Landwirten, die EU-Subventionen empfangen, wenn die EU sie gar nicht herausgeben will? Wie suche ich einen geeigneten polnischen Journalisten, der in seinem Land direkte Anfragen stellt?
Alfter beruft sich bei ihren Ausführungen und Tipps auf eigene Erfahrungen sowie Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Dass sie ihr Buch stark normativ an journalistischen Idealen ausgerichtet hat, zeigt sich daran, dass sie die zehn universellen Regeln für Journalismus nach Kovach und Rosenstiel (2001) wiedergibt (S. 99); darunter Forderungen wie „Die Loyalität des Journalismus liegt bei den Bürgern.“ Da jede Bürgerin und jeder Bürger heute in globale Zusammenhänge eingebunden ist – beispielsweise in das grenzüberschreitende Wirtschaftssystem –, plädiert die Autorin dafür, nicht nur „bis zur nationalen Nasenspitze“ (S. 76) zu schauen. Sie gibt die Anregung, dass Journalistinnen und Journalisten Ideen für internationale Themen und Daten unter anderem auf wissenschaftlichen Konferenzen finden. Journalisten sollten dieses Expertenwissen und analytische Perspektiven für ihr Hintergrundwissen viel stärker nutzen. Wichtig sei, dass man nicht nur über Grenzen hinweg arbeite – was in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung recht einfach möglich ist –, sondern vor allem denke. Die Teammitglieder müssten sich ergänzen. Kann der Eine eine bestimmte Fremdsprache, hat die Andere vielleicht ein spezielles Fachwissen oder ein Anderer wiederum durch bestimmte nationale Gegebenheiten leichter Zugang zu benötigten Dokumenten. Alfter reichert ihre Ausführungen durch Fallbeschreibungen an: LuxLeaks, Tabakschmuggel, EU-Agrarsubventionen, Kampf gegen Chemiekonzerne, Ungereimtheiten bei Migrantenzahlen und schwache Kontrolle von Medikamenten.
Eine Stärke des Buches ist auch das Layout mit grafisch abgehobenen Checklisten, Definitionen und „gutem Rat“ von erfahrenen Cross-Border-Journalisten. Ein paar Ratschläge: viel Zeit mitbringen für die Recherche, an möglichst wenigen Aufgaben parallel arbeiten, Elan ins Netzwerken stecken. Respekt und Feinfühligkeit zeigen, auch interkulturelles Verständnis mitbringen. Das Buch gibt Antworten auf ganz praxisnahe Fragen wie: Brauche ich einen Rechtsbeistand, auch wenn ich auf das Informationsfreiheitsgesetz pochen kann? Wie stößt man auf ein relevantes Thema und wie bereitet man es systematisch auf? Wie koordiniert man 80 Journalisten, die in 26 Ländern zum gleichen Thema recherchieren? Ganz wichtig sind hier Absprachen im Vorhinein: ethische Standards, Finanzierung, Arbeitszeiten bei Zeitverschiebung, Dateiformate und Datensicherheit bei Cloud-Lösungen – die Liste lässt sich leicht fortsetzen. Alfters Tipp für ein gutes Team: auf Empfehlungen hören, sich persönlich kennen lernen und schauen, ob man auf einer Wellenlänge liegt (in ihrem Buch skizziert sie die vier Grundtypen nach Glahn (2004) „Einzelgänger, Geselliger, Berechnender und Brückenbauer“). Während der gesamten Arbeitsphase sollte man dann in einem gemeinsamen „Logbuch“ (S. 155) die Rechercheschritte mit Informationen, beispielsweise zu Sprache und Format des Dokuments, festhalten.
Am Ende des Buches hat man das Gefühl, dass man das zwar alles irgendwie schon gewusst hat (wenn man Nachrichten über internationale Rechercheverbünde wie bei LuxLeaks oder den Panama-Papers verfolgt hat), dass die Lektüre aber auf jeden Fall bereichernd ist und die Arbeitsweise „Cross-Border-Journalismus“ an Klarheit gewinnt. So kann jeder Journalist und jede Journalistin sich selbst im Vorhinein prüfen, ob sie für grenzüberschreitende gemeinsame Recherchen geeignet wäre. Wem das Buch noch nicht reicht, dem schlägt Alfter vor, eine der Konferenzen und Workshops zum Thema „Cross-Border- oder Investigativjournalismus“ zu besuchen oder sich auf Webseiten wie denen des „International Consortium of Investigative Journalists“ oder des „Netzwerk Recherche“ zu informieren.

Rezension: Global Media Giants

Birkinbine, Benjamin; Gomez, Rodrigo & Wasko, Janet (eds.) (2016): Global Media Giants. London: Routledge. 510 Seiten. ISBN 978-1138927711.

Simon Berghofer, Berlin

Vermutlich liegt es am soziokulturellen Hintergrund des Verfassers dieser Rezension, dass er sich von dem düster dreinblickenden, weltumschlingenden Kraken auf dem Buchcover etwas irritiert fühlt. Was aber zunächst nach „Weltverschwörungs-“ oder „Stürmer“-Karikatur aussieht, entpuppt sich glücklicherweise auf den zweiten Blick als eine umfassende Sammlung weitgehend nüchterner Darstellung zeitgenössischer „Global Media Giants“. Als globale Medienriesen werden hier grenzüberschreitend agierende Medienunternehmen verstanden. Der Medienbegriff ist weit gefasst und versucht den konvergenten Entwicklungen gerecht zu werden. Folglich finden neben „klassischen Massenmedien“ und Inhalteproduzenten auch (konvergente) Telekommunikationsriesen sowie „Internet Giants“und „Global Ratings and Advertising Giants“ Berücksichtigung. Das Globale kann hier folglich im doppelten Sinne verstanden werden: es umschreibt sowohl die politisch-soziale Sphäre des Materialobjekts des Buches, als auch einen formellen Anspruch der Herausgeber*innen an eine möglichst umfassende Abbildung relevanter Entitäten.
Das Vorhaben gelingt auf den ersten Blick recht gut. Die beiden Herausgeber und die Herausgeberin schaffen es, eine ganze Reihe von Autor*innen zusammenzubringen, die sich einzelnen „Media Giants“ systematisch und nach einer scheinbar abgestimmten Struktur annehmen. Die Autorenliste ist ebenso umfangreich wie die Anzahl der Beiträge. Unter den Verfasser*innen findet sich eine Bandbreite vom Doktoranden bis hin zu profilierten Persönlichkeiten der Kritischen Politischen Ökonomie der Kommunikation.
Das Buch besteht aus insgesamt 28 Kapiteln auf knapp 500 Seiten. Jedes Kapitel ist einem einzelnen Medienunternehmen oder der Darstellung der wichtigsten Medienunternehmen einer spezifischen Region gewidmet. Der erste Teil des Buches widmet sich unter der Überschrift „Global Giants“ zunächst den üblichen Verdächtigen: Disney, Time Warner, Comcast, News Corporation sowie – dem vom Namen her vielleicht weniger geläufigen Multiplex-Kinobetreiber und Miteigner von Viacom und CBS – National Amusements.
Der zweite Abschnitt ist den „Regional and Geolinguistical Giants“ gewidmet. Die scheinbar etwas pragmatisch gewählte Abschnittsüberschrift schnürt Aufsätze zu Grupo Televisa, América Móvil, Bertelsmann, Vivendi, Mediaset, Telefónica, Grupo Prisa, Grupo Globo sowie – etwas überraschend – Sony zu einem Paket.
Der dritte Teil des Buches bricht etwas mit der bis dahin gewählten Logik und widmet sich spezifischen „regional overviews“. Erfreulicherweise wird hier der Fokus auf Weltregionen gelegt, die in der englischsprachigen Forschungsliteratur zur politischen Ökonomie der Kommunikation tendenziell unterbeleuchtet sind (von den nur marginal existierenden deutschsprachigen Beiträgen zur globalen politischen Ökonomie der Medien ganz zu schweigen). Neben dem noch vergleichsweise prominenten südamerikanischen Raum werden der Nahe Osten, Sub-Sahara Afrika, Osteuropa, Südasien, Ostasien und China sowie Australien und Neuseeland behandelt. Im Wesentlichen beschränkt sich auch hier die Darstellung auf einzelne in den Regionen aktive Unternehmen.
Der vierte Abschnitt fokussiert wieder verstärkt auf globale Riesen und widmet sich den „Internet Giants“ in erwartbarer Form: Apple, Microsoft, Google, Amazon, Facebook. Zuletzt finden noch die „Rating and Advertising Giants“ in Form von Nielsen und der Werbeagentur Interpublic Group of Companies (IPG) Beachtung.
Der Aufbau der Einzelkapitel und die Darstellung folgen – zumindest in weiten Teilen – der gleichen Systematik: Zunächst wird ein kurzer einleitender Überblick über das Unternehmen und seine Geschichte gegeben, worauf eine Darstellung seines ökonomischen, politischen und kulturellen Profils erfolgt. Unter dem ökonomischen Profil werden dabei im Wesentlichen die gängigen (sofern bekannten) ökonomischen Kennziffern, eine Darstellung der Unternehmensstruktur und die Beschreibung der strategischen Ausrichtung des Unternehmens verstanden. Das politische Profil widmet sich sowohl der Eigentumsstruktur als auch möglicher Lobbyverbindungen zum Staat, geht aber auch auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrates sowie mögliche Überkreuzverflechtungen ein und deckt nicht zuletzt auch die Beschäftigungspolitik genauso wie Aspekte des „social marketings“ des Unternehmens mit ab. Den letzten Abschnitt der Unternehmensprofile bildet ihr kulturelles Profil, das sich – zumindest nach Absicht der Herausgeber – den Bereichen „Symbolic Universe and Ideology“, „Popular Products/Services and Everyday Life“, „Cultural Imports/Exports to/from Other Countries“ (S. 7) widmen soll.
Das Buch liefert insgesamt eine umfassende Darstellung grenzübergreifend agierender Medienunternehmen. Dennoch fragt man sich gelegentlich, wie die Auswahl und Einteilung der Konzerne erfolgt ist. Mediaset ist beispielsweise aus politökonomischer Perspektive sicherlich ein dankbares Musterbeispiel zur Beschreibung der Verschränkung medialer, ökonomischer und politischer Macht. Aber ist es wirklich ein „Regional“ oder „Geolinguistical Giant“? Warum wiederum Sony ausgerechnet in die letzte Kategorie fällt, bleibt ebenso rätselhaft, wie die Frage, weshalb im letzten Abschnitt zum Werbemarkt IPG Betrachtung findet, während andere (teilweise auch bedeutendere) Werbeagenturen nicht behandelt werden. Bei der Zusammenstellung werden sicherlich pragmatische Gründe eine Rolle gespielt haben, was den Herausgebenden angesichts des umfassenden Ausmaßes des Buches auch keinesfalls anzulasten ist. Dennoch fragt sich der/die interessierte Leser*in, ob und wie man eine analytisch stabilere Ordnung in das Feld hätte bringen können – das wäre vielleicht einen spezifischen Beitrag der Herausgeber*innen wert gewesen.
Erfreulich ist auf jeden Fall die einheitliche und klare Systematik im Aufbau der Einzeldarstellungen. Sie verleiht dem Band einerseits einen gewissen Nachschlagewerk-Charakter, bleibt aber durch die Wahl der Schwerpunkte ganz klar zentralen Fragestellungen der Politischen Ökonomie verbunden. Die Vielzahl zu beleuchteter Aspekte lässt allerdings schon ahnen, dass die Einzelkapitel insbesondere bei Unternehmen mit stark ausdifferenzierten Geschäftsfeldern Schwerpunktsetzungen in der Darstellung nötig machen. Tatsächlich fällt die Gewichtung einzelner Aspekte des ökonomischen, politischen und kulturellen Profils teilweise recht unterschiedlich aus. Beim ökonomischen und politischen Profil erklärt sich das auch aus der sehr heterogenen Verfügbarkeit von Informationen, die je nach Unternehmensform und Ursprungsland variieren. Am heterogensten wirken jedoch die Abschnitte zum kulturellen Profil, was sich vermutlich darauf zurückführen lässt, dass es bei weit ausdifferenzierten Unternehmen, die teilweise mit sehr unterschiedlichen Produkten auf unterschiedlichen Medienmärkten (Stichwort: Glokalisierung) aktiv sind, kaum möglich ist, pauschale Aussagen über das kulturelle Profil eines Konzerns zu treffen. Zudem lassen sich teilweise auch nationale Einfärbungen bzw. ein gelegentlicher US-Zentrismus in den Darstellungen erkennen – so behandelt das Kapitel zu Google bspw. nur die Lobbyaktivitäten des Unternehmens in den USA und ignoriert dabei, dass globale Unternehmen heutzutage auch politisch schon lange nicht mehr nur national aktiv sind. Eine etwas globalere Perspektive wäre dem Buchtitel in dieser Hinsicht durchaus gerechter geworden.
Trotz der oben genannten Kritik muss festgehalten werden, dass der Band absolut lesenswert ist und eine umfassende, politökonomisch basierte Gesamteinschätzung der einzelnen Konzerne liefert. Er ist vollgepackt mit Wissen und Fakten zu den Unternehmen und ist jeder/m zu empfehlen, die/der sich für Fragen der Politischen Ökonomie der globalen Kommunikation interessiert – sowohl als Einstiegs-, als auch als vertiefendes Nachschlagewerk.

Review: Lautsprecher & Widersprecher. Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme

Blum, Roger (2014): Lautsprecher & Widersprecher. Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme. Köln: Herbert von Halem. 444 Seiten, ISBN: 978-3869620497

Indira Dupuis, Freie Universität Berlin

Roger Blums „Lautsprecher & Widersprecher“ ist ein Beitrag zur ländervergleichenden Mediensystemforschung. Der Titel des Buchs spielt an auf das unterschiedliche Rollen-selbstverständnis von Journalisten in den verschiedenen weltweit existierenden Medien-systemen. Den hier dargestellten „pragmatischen Differenz-Ansatz” hat Blum bereits seit einigen Jahren in der Fachwelt diskutiert und nun endlich in aller Ausführlichkeit in Buchform bringen können. Trotz des theoretischen Anspruchs ist das Buch sehr lesbar geschrieben und hat nahezu Lehrbuchcharakter.

Einleitend wird ein Überblick über die bisherigen vergleichenden Mediensystemtheorien gegeben beginnend bei Siebert, Peterson & Schramms “Four Theories of the Press” (1956) über Osmo Wiios “The Mass Media Role in the Western World” (1983) bis zu “Comparing Media Systems” von Daniel Hallin und Paolo Mancini (2004). Im zweiten Teil folgen kurze Portraits von 23 Ländern, die exemplarisch für die verschiedenen Mediensystemtypen ausgewählt wurden. Im dritten Teil entwickelt Blum seinen Ansatz, wobei er Dimensionen von Hallin und Mancini übernimmt und mit weiteren Kriterien komplementiert. Während er wie Hallin und Mancini vom Primat des politischen Systems in seiner Bedeutung für die spezifische Ausprägung der Mediensysteme ausgeht, bezieht er sich weniger als diese auf die vergleichende Politikwissenschaft. Analyseeinheit ist der einzelne Staat – eine Perspektive, die allerdings in der vergleichenden Kommunikationswissenschaft aktuell kritisch diskutiert wird, weil sie zum einen transnationale und regionale Dynamiken sowie entsprechende und weitere Äquivalenzproblematiken übersieht (siehe hierzu z.B. Esser 2014; Brüggemann, Wessler 2012).

Blum ordnet die 23 Beispielländer nach elf Kriterien: Politisches System, historische Entwicklung und politische Kultur eines Landes, Medienfreiheit, staatliche Kontrolle, Medienbesitz und -finanzierung, politischer Parallelismus und Medienorientierung sowie journalistische Kultur und Professionalität. Die Kriterien beinhalten zumeist ein bis zwei Merkmale, z.B. wird bei der historischen Entwicklung des Landes die Kontinuität bzw. Diskontinuität der politischen Regierungssysteme betrachtet. Leider werden die Merkmalsausprägungen in ihrer Verhältnismäßigkeit nicht diskutiert. Das daraus entwickelte Punktesystem erschließt sich entsprechend nicht explizit hinsichtlich der Wertigkeit der einzelnen Kriterien und in Einzelfällen ist die Verteilung der Punkte nicht eindeutig nachvollziehbar. Beispielweise wird hinsichtlich des Merkmals Medienbesitz, das in seiner Ausprägung zwischen reinem Privatbesitz (10 Punkte), Mischbesitz von privat und öffentlich, wobei privat überwiegt (7 Punkte), Mischbesitz mit Staatstendenz (4 Punkte) und rein öffentlichem Besitz (1 Punkt) variiert (vgl. S. 329ff.), Deutschland mit sieben Punkten und Lettland mit vier Punkten bedacht, wobei es sowohl in Lettland als auch in Deutschland gleichermaßen Public Service Rundfunk, privatwirtschaftlichen Rundfunk und privatwirtschaftliche Presseunternehmen gibt.

Die Kriterien ordnet Blum in ein Schema mit Typ A-Mediensystemen, die eine liberale Linie kennzeichnet, Typ B mit einer mittleren Linie und Typ C mit einer regulierten Linie (S. 295). Daraus entwickelt er die sechs abschließenden Mediensystemtypen: Das liberale Modell (USA, Luxemburg und Brasilien) in kapitalistischen Demokratien mit nahezu unregulierten, stark kommerziellen Medienmärkten. Das Public Service-Modell (Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweiz und Großbritannien) das nicht nur durch diese spezielle Organisationsform, sondern auch durch die Orientierung der Akteure im Mediensystem an journalistischen und gesellschaftlichen Werten charakterisiert ist. Das Klientel-Modell (Italien, Lettland, Libanon und Ghana) mit starkem Einfluss des Staats, politischem Parallelismus zwischen Parteien und bestimmten Interessengruppen und den Massenmedien sowie den charakteristischen klientelistischen Strukturen in Politik und Medien. Das Schock-Modell (Russland, Türkei, Thailand, Senegal), das geprägt ist durch eine willkürliche Zensur, das Patriotische Modell (Iran, Weißrussland, Agypten) in autoritären Staaten mit strenger Medienkontrolle und das Kommando-Modell (Nord Korea, China, Syrien, Kuba) mit staatlichem Mediensystem.

Das Buch „Lautsprecher & Widersprecher“ eignet sich dank seiner Länderstudien gut für den universitären Unterricht zum Vergleich von Mediensystemen, insbesondere wenn man einen historischen Fokus wählt. Neue Entwicklungen, wie die raschen Veränderungen der Pressemärkte, die Herausforderungen durch Medienkonvergenz oder die Veränderungen in der Medienrezeption im Internet-Zeitalter sind allerdings nicht berücksichtigt. Dadurch wird wieder einmal deutlich, dass die Komplexität des Mediensystemvergleichs gegebenenfalls besser von internationalen Forschungsnetzwerken zu bewältigen ist, die lokale Perspektiven und Spezifika inkorporieren und damit eine euro-zentrische Sichtweise überwinden sowie bestenfalls auch den traditionell nationalstaatlichen Ansatz erweitern können. Dennoch gibt Roger Blums Buch eine hervorragende Übersicht über die Entwicklung der Massenmedien-Systeme im 20. Jahrhundert und die Forschung zu diesem Thema.

Review: „…weil ihre Kultur so ist“. Narrative des antimuslimischen Rassismus

Shooman, Yasemin (2014): „…weil ihre Kultur so ist“. Narrative des antimuslimischen Rassismus. Bielefeld: Transcript Verlag. 260 Seiten,
ISBN 978-3-8376-2866-1

Sabrina Schmidt, Universität Erfurt

Antimuslimische Diskurse wirken tief in die Gesellschaften Deutschlands und Europas hinein, ihre Erscheinungsformen sind vielfältig. Als symbolische Ressourcen sind sie zu einem festen Bestandteil von Medienbildern, rechts-populistischen Losungen und zivilgesellschaft-lichen Dispositionen geworden. Yasemin Shoomans Buch „…weil ihre Kultur so ist“. Narrative des antimuslimischen Rassismus macht es sich zur Aufgabe, die Argumentationsmuster dieser Diskurse zu rekonstruieren und in ihrer Beschaffenheit zu analysieren. Ihr Ziel sei es, „eine Art ‚Topographie‘ der dominanten antimuslimischen Stereotype und Topoi abzubilden und zu ermitteln, inwiefern sich diese zu einem Narrativ bzw. mehreren Narrativen zusammensetzen“ (S. 16). Schon die elliptische Form des Titels verweist auf die unbedarfte Simplizität und multiple Einsatzfähigkeit eben jener Begründungs- und Legitimationsweisen, die sich im Sprechen über den muslimischen Anderen schon fast zu einer lebensweltlichen, d.h. unbefragten Selbstverständlichkeit (im Sinne Alfred Schütz‘) manifestiert haben. Shooman fasst den antimuslimischen Rassismus als ein komplexes Geflecht, in dem verschiedene Klassifikationssysteme, neben Religion und Kultur auch Klasse und Geschlecht, ineinandergreifen. Dieser Rassismus basiert – ganz im Sinne der klassischen Rassismus-Definition nach Robert Miles – auf der Rassifizierung seiner Objekte, das heißt der Festlegung und Kollektivierung einer tatsächlichen bzw. zugeschriebenen Religiosität als primordiale Eigenschaft und Verhaltensdeterminante.

In kleineren Fallstudien analysiert Shooman antimuslimische Diskurse in verschiedenen Öffentlichkeitformen (Massenmedien und Sachbücher, Weblogs und Kommentarbereiche von Online-Zeitungen, Zuschriften an muslimische bzw. türkische Verbände), wobei sie sich nicht nur für die inhaltlichen Strukturen, sondern auch für die Funktionslogik rassistischer Islamdiskurse interessiert. Vergleichend expliziert sie zudem argumentative Transfers und Verweise sowie Diskontinuitäten und Widersprüche innerhalb und zwischen den untersuchten Öffentlichkeitsformen. Ein besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die historische und soziopolitische Kontextualisierung der untersuchten Wahrnehmungs- und Argumentationsmuster, die sie mit Michel Foucault und Rainer Keller als kollektive, dabei jedoch zeitlich flexible Wissensformationen versteht. Entsprechend erscheint der methodische Zugang über ein diskursanalytisches Verfahren insofern logisch, als es symbolische Dominanzverhältnisse und Sagbarkeitsgrenzen aufzudecken vermag, die sich in und durch Sprache manifestieren und in materielle Ausgrenzungspraxen übersetzt werden können. Nicht zuletzt gebe die Analyse von „Diskursverschränkungen“ Auskunft über das „intersektionale Zusammenwirken verschiedener Dimensionen der sozialen Ungleichheit – wie Rasse, Ethnizität, Kultur, Religion, Geschlecht oder auch Klasse“ (S. 20f.).

Die als Dissertationsschrift am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin vorgelegte Arbeit untergliedert sich in fünf Teile und ist in einem sehr ansprechenden, eingängigen Stil verfasst. Während die Autorin in der Einleitung erste grundlegende Begriffsbestimmungen zu den Analyseeinheiten Topos, Narrativ und Diskurs vornimmt sowie den Nutzen des diskursanalytischen Vorgehens erörtert, zeichnet sie im ersten Teil von Kapitel 2 die historischen Linien und diskursiven Transformationen des antimuslimischen Rassismus mit Fokus auf Deutschland und Europa nach. Shooman zeigt auf, dass die Markierung von Musliminnen und Muslimen als gesellschaftlich und kulturell nicht zugehörig – diskursive Grenzziehungen wie sie sich etwa in politischen Leitkulturdebatten beobachten ließen – auf tradierten und zum Teil bereits im Mittelalter kolportierten Feindbildern beruhen. Darüber hinaus arbeitet die Autorin Brüche und Verschiebungen in der symbolischen Konstruktion muslimischen Fremdseins heraus. Während Muslime in Europa etwa zu Zeiten der Kreuzzüge noch als „militärische Gegner“ und „Kontrahenten“ stereotypisiert worden seien, hätten der europäische Kolonialismus und dessen diskursive Legitimationspraxis, der Orientalismus (Edward Said), für eine Exotisierung und Inferiorisierung des „Orients“ gesorgt (S. 43ff.): Haremsphantasien und die Vorstellung von zivilisatorischer Rückständigkeit seien hierbei von Bedeutung. Später hätten neben postkolonialen Migrationsbewegungen auch Anwerbeabkommen die europäische Wahrnehmung verschoben. Aus dem „äußeren Feind“ sei der „Andere im Innern“ geworden (S. 40f.). Shooman argumentiert überzeugend, dass die Funktion dieser Fremdmarkierung dabei zu jeder Zeit in der spiegelbildlichen Festschreibung einer eigenen kollektiven Identität bestand, deren Zweck es auch gewesen sei, Differenzen innerhalb der Eigengruppe auszublenden.

Der zweite Teil des Kapitels stellt eine theoretische Einordnung des antimuslimischen Rassismus im Feld der Rassismusforschung unter besonderer Berücksichtigung der Dimensionen Kultur, Ethnizität, Religion, Geschlecht und Klasse dar. Aufschlussreich ist dabei die Beobachtung Shoomans, dass in der Fremdmarkierung von Muslimen zunehmend deren (zugeschriebene) religiöse bzw. kulturelle Identität als dominantes Differenzkriterium symbolisch aufgeladen wurde – anders als Mitte des 20. Jahrhunderts, als man Muslime in Deutschland entlang der Kategorien Ethnizität und Nationalität noch als „Gastarbeiter“ und „Türken“ bezeichnete. Unter Berücksichtigung etablierter Rassismustheorien verdeutlicht Shooman, dass sich im antimuslimischen Rassismus Versatzstücke des biologistischen Rassismus‘ – etwa im Kontext des racial profiling, bei dem versucht werde, Muslime anhand ihres Aussehens zu klassifizieren (S. 65) – mit neorassistischen Diskursen verzahnen. Diese warnten vor dem Werteverlust im „Westen“ durch die Ausbreitung „fremder“ Kulturen, vor allem der islamischen, die als inkompatibel und minderwertig markiert wird. Neben den Dimensionen Kultur, Religion und Ethnizität sind im anti-muslimischen Rassismus aber auch Vorstellungen von Muslimen als Angehörige minderer sozialer Schichten eingeflochten, so wenn Muslime mit Thilo Sarrazin als Belastung für das deutsche Sozialsystem präsentiert würden (S. 75). Die Autorin bewertet diese „Klassen“-Referenz als Ausgrenzungsstrategie, mittels derer materielle und symbolische Teilhabemöglichkeiten von Muslimen beschnitten würden.

Kapitel 3 umfasst die erste von mehreren empirischen Teilstudien der Arbeit. Diese setzt sich mit Geschlechterbildern im Kontext rassistischer Islamdiskurse auseinander, wobei neben eigenen Topoi (etwa von der „gefährlichen Muslimin“) auch die Rolle islamkritischer muslimischer Sprecherinnen als vermeintlich „authentische Stimmen“ von Shooman herausgearbeitet werden. Auf Basis einer empirischen Analyse von journalistischen Beiträgen und Magazincovern, politischen Werbeplakaten und Karikaturen zeigt sie auf, dass sich in der Ikonographie der muslimischen Frau stets dieselben visuellen Stereotype vorfinden lassen: die Unterdrückte, Rechtlose, deren inhumane Behandlung durch gewaltaffine Männer vom Islam legitimiert sei. Die Verknüpfung von sexistisch motivierter Gewalt und Islam erfülle laut Shooman verschiedene Funktionen, so etwa die Dichotomisierung von „westlicher“ und „islamischer“ Kultur, aber auch das Ausblenden von Gewalt gegen Frauen und die Geschlechterungleichheit in nicht-muslimischen Gesellschaften (S. 86f.).

Kapitel 4 und 5 wenden sich fallstudienartig den Islamdiskursen innerhalb dreier unterschiedlicher öffentlicher Räume zu: Zum einen der massenmedialen Rezeption der ersten Islamkonferenz durch FAZ und DIE WELT; zum anderen den Netzdiskursen auf islamfeindlichen Internetseiten und Weblogs wie „politically incorrect“ oder „jihadwatch.org“ sowie drittens Verbandszuschriften als Form nicht-öffentlicher Kommunikation. Während sich die theoretisch herausgearbeiteten Spezifika des antimuslimischen Rassismus teilweise in der Berichterstattung etablierter Medien wiederfinden lassen – etwa in der Anwendung binärer Klassifikationssysteme à la „Wir-vs.-Sie“ und der daraus folgenden Festschreibung der Muslime als ewig „Andere“ (S. 139), beobachtet die Autorin im weitestgehend anonymen Diskurraum Internet eine Enthemmung und ideologische Verfestigung des Negativbildes Islam. Verschwörungstheorien und Bedrohungsszenarien über die vermeintliche Unterwanderung Europas durch den Islam („Islamisierungs“-Topos), offene Beleidigungen von muslimischen Vertretern und Politikern sowie (erfolgreiche) Versuche, sich auch außerhalb des Internets zu vernetzen und zu mobilisieren, seien hierfür charakteristisch. Shooman stellt fest, dass sich ein ähnlich radikaler, dafür jedoch überwiegend mit den Klarnamen der Absenderinnen und Absender operierender Diskurs in den Zuschriften an muslimische bzw. türkische Verbände nachweisen lässt. So sei das in den Briefen zum Ausdruck kommende Alltagswissen über den Islam u.a. geprägt von negativen Pauschalurteilen über Muslime und dem Selbstverständnis der Schreibenden, sich im Sinne der deutschen Mehrheitsmeinung zu artikulieren (S. 216). Shooman interpretiert dies mit Verweis auf die Sprechakttheorie plausibel als Akte symbolischer Gewalt.

Mit ihrer detailgenauen Zusammenschau dominanter Argumentationstopoi antimuslimischer Diskurse stellt die Arbeit gerade für Einsteiger in die Gegenstandsbereiche Rassismus und Islamfeindlichkeit eine empfehlenswerte Lektüre dar. Positiv herauszuheben ist die Anschaulichkeit und Stringenz der Analyse einzelner Diskursmuster und ihrer historischen Transformationen, die die Autorin durch eine dichte Verzahnung von theoretischen Überlegungen und empirischer Beweisführung erreicht. Kennern des Feldes wird die ein oder andere Erkenntnis, etwa dass sich antimuslimische Diskurse in den etablierten Massenmedien nicht erst mit den Ereignissen um 9/11 formiert haben oder dass die medialen Repräsentationen muslimischer Frauen mit Deutungsangeboten rund um Rechtlosigkeit und Gewalterfahrung operieren, nicht neu sein. Zudem wären Fallstudien etwa zu Muslim(a)-Bildern in popkulturellen Formaten wie Kinofilmen und TV-Serien, aber auch im Rahmen von Satire und Comedy oder Kinder- und Jugendliteratur im Vergleich zu einer bereits mehrfach wissenschaftlich verarbeiteten Zeitschriftencover-Analyse innovativ und für den bewanderten Leser aufschlussreich gewesen.

Review: Media Systems and Communication Policies in Latin America

Manuel Alejandro Guerrero & Mireya Márquez-Ramírez (eds.) (2014): Media Systems and Communication Policies in Latin America. Basingstoke: Palgrave Macmillan. 318 pages. ISBN: 9781137409041

Patricia Carolina Saucedo Añez, University of Erfurt

In Media Systems and Communication Policies in Latin America, Manuel Alejandro Guerrero and Mireya Márquez-Ramírez have gathered the work of renowned Latin American scholars from the field of Media and Communication Studies in order to discuss continuities and changes within Latin American media systems. The editors aim to update the English language literature on the media systems of the region; the literature on this subject is scarce and does not properly reflect the dynamic changes that have taken place during the last fifteen years in the region, especially in Argentina, Venezuela, Bolivia and Ecuador.

Guerrero and Márquez-Ramírez delve into the history of the media in the region, which is known for its collaboration with former authoritarian regimes during the 1960s up to the 1980s. Over decades, alliances and client relationships between the media, military dictatorships and political elites (who are often also media owners) led to a concentration of control over Latin American media by a few families and later on by a few media barons and groups such as Globo in Brazil, Televisa and TV Azteca in Mexico and Clarín in Argentina. These relationships between the media and political elites also continued during the democratization process where the owners of media outlets took advantage of democratic liberalization and privatization during the 1980s as well as the application of neoliberal politics during the 1990s.

The editors provide a useful framework to analyse and compare different media systems in Latin American countries. Firstly, they contest the typology of Daniel Hallin and Paolo Mancini (liberal, democratic corporatist and polarized pluralist media systems) and delve into the similarities between the Latin American case and the media landscape in Southern Europe, as proposed by Hallin and Stylianos Papathanassopoulos in an earlier paper in 2002. Hallin and Papathanassopoulos use the examples of Brazil, Mexico and Colombia to compare Latin American media systems to countries in the Mediterranean (Greece, Italy, Spain and Portugal). The media systems in these countries are characterized as polarized pluralist media systems, whereas in Northern and central European countries, political parties are represented in the media and the state and government intervene regarding content and editorial policies. Furthermore, the polarized pluralist model is characterized by client relationships between media, business and political sectors. However, Guerrero and Márquez-Ramírez feel it is necessary to delineate a new ideal hybrid type for Latin America according to recent developments. Thus, by analysing the changes in the Latin American media sector, the editors and contributors of this book explore the specific hybrid and alternative patterns in the region going beyond this model. In Latin America, neither commercial media nor state intervention is synonymous with liberalization or enhancement and protection of the common interest; privately owned media can also be politically and economically instrumentalized.

Although the concentration of media property within a few private groups and the control of the media landscape by them are still central characteristics of the media in the majority of the countries in the region, there are new developments linked to various left-oriented politicians taking office, such as Hugo Chávez and later Nicolás Maduro (Venezuela), Cristina Fernández de Kirchner (Argentina), Eduardo Correa (Ecuador) and Evo Morales (Bolivia). By creating a new legal framework on media policy and reforming existing media laws, these presidents chose to take action on the issue of the concentration of media ownership in a few hands in order to combat the historical media concentration on hegemonic traditional media groups linked to traditional political and economic elites who are often enemies of these governments. However, the editors express their doubts about the apparent good intentions behind these decisions, and stress that media policies have become a standard object in the political discourse in Latin America used by both sides of the dispute. On the one hand, left-oriented governments claim that new media policies and media-related legal systems are used to put an end to the media hegemony of the elites and to allow marginalized groups to access and participate in the media. On the other hand, hegemonic media and oppositional political actors accuse these governments of limiting the right to public expression of contrary opinions by regulating media policies and by setting up a media-related legal system according to their liking.

The editors go on to prove that left-oriented leaders claim they are combating the concentration of media ownership and the interests of economic elites therein. These leaders argue that they had improved access to the media for traditionally excluded and marginalized groups. However, the authors show that media owners blame the left-wing governments for limiting freedom of the press by introducing these regula-tions, and they argue that even progressive media policies can be used to penalize unfavourable media agendas by punishing oppositional media, for example with regu-lations regarding media property or by expropriating and assigning new media licenses to media agents that are on better terms with the government.

With these new considerations in mind, the first two chapters come up with a general framework to analyse the developments in the region, looking specifically at certain historical situations and global changes. In the first chapter, Silvio Waisbord argues that the changes in political and media relations taking place in Latin America cannot be interpreted by looking at them through the lens of the globalization paradigm. He argues that domestic politics should be included in global media studies.

In the second chapter, Manuel Alejandro Guerrero carves out a specific model of media systems, which can be applied to the situation in Latin America. He calls this ideal type “captured liberal model”, an oxymoron which reflects the contradictions of public life in Latin America. The absence and dissolution of media regulations as a consequence of neoliberal politics or through severe mistakes in applying regulations (e.g. the trend toward concentration of media markets; the influence of public spending on advertising; the colonization of media structures by the political class and of political spaces by media agents) lead to the interference of political actors in media coverage and journalistic practices (e.g. absence of adequate mechanisms of protection for journalists; influence of political and corporate interests in journalistic work).

Subsequent chapters show and analyse the situation in various countries: Colombia (Chapter 3); Peru (Chapter 4); Argentina (Chapters 5 and 10); El Salvador (Chapter 6); Guatemala (Chapter 7); Venezuela (Chapter 8); Bolivia (Chapter 9); Brazil (Chapters 11 and 12); Chile (Chapter 14) and Mexico (Chapter 15). In chapter 13, Stella Puente offers an analysis of the market orientation of Spanish-language publishing industries.

Finally, the editors conclude that Latin American media systems share a common historical development of being molded after the US commercial model, which, in theory, makes a formal distinction between state and media markets. However, local, private advertising markets are not strong enough to support the entire media structure. In practice, Latin American media depends on local and national government advertising and government-assigned funds. Additionally, media structures have been consolidated and strongly depend on various political groups. Media owners took ad-vantage of authoritarian regimes and after the transition to democracy, media owner-ship structures remained virtually intact. Moreover, privatization and deregulation processes encouraged the formation and consolidation of media conglomerates. Finally, the trend towards deregulation as well as weak and inefficient law or the discretionary application of law can be contributed to the private economy (e.g. the analysed cases of Brazil, Mexico, Colombia, Guatemala, El Salvador and Peru) and political interests (Argentina, Ecuador, Bolivia and Venezuela) taking over the media system.

This book is a compulsory reading for anyone researching Latin American media, because it offers an up-to-date look at media developments in the region. The question remains, however, whether the relatively new developments in Venezuela, Argentina, Bolivia, and Ecuador are not yet another new hybrid manifestation which is different from the “captured liberal model”, marked by a strong state intervention in media politics and, above all, by struggles between state, media, economic and political actors. Placing these cases under the same umbrella of the captured liberal model underestimates the role of state interventions concerning the emergence of these four specific cases where liberalism is decreasing. In this context, media and audiences are caught in a type of “tug of war”, between the state on the one side, tugging and trying to grab power from the historical hegemonic media barons on the other side. Time will tell which side will win this “tug of war” taking place in Latin America.

Review: The Routledge Companion to Media and Gender

Carter, Cynthia; Steiner, Linda; McLaughlin, Lisa (eds.) (2014): The Routledge Companion to Media and Gender. Routledge. 672 pages. ISBN: 978-0-415-52769-9 (hbk), ISBN: 978-0-203-06691-1 (ebk)

Christine Horz, Frankfurt

The research field of gender and media today is well established in communication studies. For those studying and teaching in undergraduate courses, however, it could be difficult to find accessible and up-to-date- reading material from the various fields of Gender Media Studies (GMS), across media, texts and genres.
The editors of the Routledge Companion to Media and Gender succeeded to present a comprehensive and impressive overview on five different themes with 59 contributions on 670 pages. The compendium shows to be extremely useful for students and lecturers in international courses with English-speaking undergraduates in non-English countries, i.e Germany, because of the scarcity of academic English literature about gender and media in many university libraries. The articles in the book are mostly condensed on ten pages. For some subjects this seems to be pretty short. Few articles lack some basic information, charts or data, which would make it easier to comprehend without previous knowledge. However, the critical perspective of most articles helps to open up particular research arenas and stimulate interest, which is an opportunity for a more detailed consideration. Moreover, a strength of the book are the transnational and transcultural perspectives on GMS. It comprises articles and topics from various cultural and national backgrounds.

The compendium is structured into five parts. Part I begins with „Her/histories“. This chapter offers an overview of various approaches and important topics of GMS. The first article can be seen as an introduction into this chapter. In „Media and the representation of gender“ Margaret Gallagher (23) gives examples of historic milestones in GMS such as Tuchman’s study about images of men and women in the media, the links of media image and ideology, when it comes to the representation of women of colour, and also feminist discourses and feminist media activism.
In „Redescovering twentieth-century feminist audience research” (Hermes, 61) for example the author argues that multi-platform media and increasing interactivity today tends to blur media production with media consumption (67). In this context ethnographic audience research relating to audio-visual popular cultures of the 1980s and 90s needs to be rethought, in order to understand the existing power relations, still valid in a prosumer culture. As such, this is not a particulary new observation, but still offers a starting point for further investigation of more recent studies.
The strong point of Part I is its inclusion of current theoretical approaches like intersectional feminist media studies (Molina-Guzman/Cacho, 71). Their article provides a literature review „on women of colour feminism and queer of colour critique“ (72) in European and US research. A useful definition of intersectionality and its theoretical foundations is followed by case studies in the field. As such the authors makes clear how gender inequality and racialisation build a dynamic interplay of „symbolic colonization“ in media content (77). The first part of the compendium also refers to recent topics like trans-identities in the 21st century, i.e. „Sexualities/queer identities“ (Yue, 81) and „Gender, media, and trans/national spaces“ (Hegde, 92).

Part II picks up subjects around „Media industries, labor, and policy“ (103). Carolyn M. Byerly (105) explores the important matter of the missing female representation in media control and the macro-level as such. Using the example of big transnational corporations such as Time Warner or Disney she provides data of the number and percentage of women involved on the policy level in the boards of the companies (108). Whereas in Disney four out of ten board-members are female, in the Germany-based Bertelsmann AG only five out of twenty-one members are women. The author unveils also the reason why or why not companies tend to accept women in their highest control and decision body.

In “Gender inequality in culture industries“ Denis D. Bielby explores the „unequal distribution of employment and earnings between men and women in the culture industries of film, television, and music, among others such as video games“ (137). Bielby goes back to the beginning of Hollywood to show how the studio system, where women played major roles, transformed into a centralized industry where female writers and actors became marginalized. The commercial aspect is once more considered in Dafna Limish’s „Boys are… girls are…“(179). She explains how children’s media and merchandising construct gender, i.e by exploiting female bodies for sexualized representations – even in movies for kindergarden-kids. This part clearly shows the socio-political dimension of gender inequality and a neoliberal market economy. It also becomes obvious that the editors strove to acquire articles that put an emphasis on comparative research about women and men/girls and boys.

Part III – „Images and representations across texts and genres“ (257) – presents mainly case studies from different parts of the world like a piece about a South-African miniseries, Society (Bradfield, 280). Other than Western television series, Society „offers a unique perspective on the feminine possibilities available to women in post-apartheid South-Africa“ (ibid.). Also beauty regimes in India, that are inflicted by European and US-American beauty norms (Parameswaran, 363) and a gendered perspective on Islamophobia implied by the representation of the Islamic veil in Western media are discussed (Eltantawy, 384). The transnational perspective of the compendium shows its potential here, because the signs of intersectionality and the erosion of solidarity in Western feminism with women from other parts of the world, their different beliefs and socio-economic status could best be encountered with a de-westernized research focus.

Part IV concentrates on „Media audiences, users, and prosumers“ (407) and as the title promises research about all types of media, from TV to radio to social media and also digital games is presented here. Da Viault’s and Schott’s article for example tackles the issue of gender portrayal within gaming (440). The hot topic of cyberfeminism is set against the events, known as Arab Spring (Khamis, 565).

Part V, entitled „Gendered media futures and the future of gender“ (577), is conceptualised as an outlook. Topics like post-feminism (Lumby, 600) consider the actual feminist discourse in the light of it’s historic development. Whereas the term postfeminism for some mark the point where all feminist goals already have been achievedothers use it to differentiate between second generation feminists from the 1960th and 70th and younger women who fight for equality with men and not against them. A third explanation leans to a far more nuanced perspective based on postructuralism which is by no means defined by now. Lumby however, offers an insight into the various discussions on the conceptualization of post-feminism and proposes a concept of post-postfeminism.

An article about the crisis of masculinity (Malin, 610) reflects on media and the male image, i.e. the hypersexual character in US-American movies and series of the 1990th like Sopranos. Today, with less traditional perspectives on masculinity hypersexuality – and it’s attributed whiteness, heterosexuality and aggression – is also used for parody or with an ironic reflexivity of the male character.
Leurs and Ponzanesi (632) explore forms of intersectionality and digital identities on a case study of Moroccan youth in The Netherlands. They conclude that migrant youths use Social Media for identity formation, to create a realm of their own and to connect with the majority of society.

Looked at the parts and the companion in its entirety the reader conveys an idea of the wide span of different topics in GMS. Also, two strong undercurrents (and conflicting areas) of gender and the media unfold while reading: the neoliberal market ideology as a strong frame for the representation and participation of men and women in the media, but also counterpublics and –cultures that perceive women and men not only as consumers or sexualized bodies, but also as active citizens. On the other hand the companion by definition is only able to mark out the complexity of the discourse, but is certainly not sufficient to mirror in-depth-results of Gender Media Studies. However, the up-to-datedness, as well as the transnational and transcultural approach makes it a vade-mecum particularly recommendable for students and lecturers in various degree programmes like communication studies, media studies, or gender studies.

Review: Indian Transnationalism Online: New Perspectives on Diaspora

Ajaya Kumar Sahoo and Johannes G. De Kruijf (eds.) (2014): Indian Transnationalism Online: New Perspectives on Diaspora. Ashgate. 228 pages. ISBN 978-1-4724-1913-2

Fritzi-Marie Titzmann, Leipzig

The recently published anthology brings together a heterogeneous group of scholars. While some contributors are already well known for their previous work on diasporic and transnational “Indianness” such as Urmila Goel on the Indian diaspora in Germany, Vinay Lal on Hinduism in the USA, and Ananda Mitra on Indian diasporic websites, others are young scholars entering the field of study with innovative ideas and approaches. Remarkable is the diversity of disciplinary backgrounds.
The content is divided into two sections focusing on Identity (Chapter 1-6) and Power (Chapter 7-9) but the book’s focal point clearly is – by referring to Anthony Giddens – reflexive self-identity enabled and encouraged by the Internet. This identity changes over time, develops, transforms, and adapts to varying life-phases. While building on the assumption that life-circumstances generated by migration are particularly challenging for negotiations of identity and belonging, studies of transnationalism comprise dynamics abroad as well as in the respective home countries. Most of the chapters do include different localities in this sense, though a strong focus on the Indian diaspora in the USA remains.
The editors acknowledge in the preface that they do not touch upon dynamics of exclusion (or the ‘digital divide’) and misuse of new technologies but they mention these questions as following from the papers presented in the volume.
The book bears testimony to the ongoing trend of internet studies with a focus on migration and connectivity. The comprehensive Introduction by De Kruijf presents theoretical frameworks, outlines dominant theories on transnationalism, diaspora, and self-identity and its linkages with emerging digital cultures. Although he refers to notions that are introduced in the following chapters, it is not a new question under which the papers have been compiled. De Kruijf rather situates the chapters as case studies in an existing corpus of theoretical and empirical studies. While the book is overall very well edited, only a fraction of the works and authors cited in the comprehensive Introduction are listed under references. This is a very unfortunate mistake, as particularly the literature overview would be very helpful to readers who are new to this area of research.

In Chapter 1, Usha Raman and Sumana Kasturi follow three women bloggers, located between the USA and India. The analysis suggests that a transnational identity is created through the act of blogging. They come to the conclusion that diasporic media practices may serve both to preserve traditionalism and to facilitate the performance of a liberal, cosmopolitan subjectivity. This view is based on the understanding that new media do not imply an ideology of its users per se and should be rather seen as value-free tools.
By drawing mainly from his own theoretical work on identity in a cybernetic space (“that is produced at the congruence of the real and the digital”, p.47), Ananda Mitra presents his prediction that the ‘national Indian’ will vanish and a ‘trans-Indian’ will dominate the future (Chap.2). He argues for “a ‘trans-national’ who has expanded opportunities to reformulate both the self and the place that the self dwells in” (p.47). Thus, ‘trans-Indian’ can describe diasporic identity constructions as well as identity discourses of Indians situated in India. Crucial are the creation of a virtual presence and the connectivity of this person – marked as Indian – with discourses and cultural practices from any chosen part of the world. While Mitra’s conceptualization is interesting because of its multilateralism, his concept is restricted to a certain class made up of professional migrants and urban upper-middle classes who do create digital selves. His prediction leaves out a vast majority who is not only denied access to the digital world but also does not partake in the described processes of “Americanization” in India.
Similar to Mitra’s cybernetic space seems Emily Skop’s ‘ThirdSpace’ (Chap.4), a space that is “located between the two poles of ‘here’ and ‘there’” (p.81). Migrants who engage in transnational activities create new spheres of interaction within these thirdspaces, and the Internet can be seen as their most vital tool. Skop develops a “continuum of embeddedness” to analyze these engagements and describes five stages that range from the most engaged migrants to moderately connected ones, rather disinterested onlookers, dissatisfied witnesses, and disconnected bystanders (p.95).
An insightful methodological discussion is brought in by Urmila Goel (Chap. 3). She presents the sole study from a non-anglophone context in this book. Her chapter is the only one including a critical self-reflection about positionality and the researcher’s role in constructing ethnic labels. With her empirical case study of a digital forum called “Indernet”, she demonstrates how a community marked as Indian is intentionally created. This leads her to the term of the “ethnic entrepreneur” (p.75ff), which also includes researchers who work on those marked as Indians and thereby reproduce constructed “Indianness”.
With reference to the construction of “Indianness”, Vinay Lal emphasizes the role of diasporic agents in the US in forging a fixed Hindu identity with a conservative hindu-nationalist connotation (Chap.6). He describes the active reinterpretation of Indian history and a gradual development of a rhetoric that propagates Hinduism as a superior world religion. Lal shows how these discourses reflect in civic engagement, citing examples of campaigns that took advantage of arguments about multiculturalism, diversity and citizenship in the US to push a hindu-nationalist agenda. But the same people, Lal argues, refuse to accept multiculturalism and tolerance in the Indian context.
Scheifinger’s rather descriptive account of the digital network of a Hindu institution belonging to the religious path of Advaita Vedanta (Chap.5) seems slightly misplaced in the Identity section. Although he depicts the online manifestation of an important practice connected with the religious leader in the example of online yatras (religious tours across India) and the consequential deterritorialization of the ritual by transcending physical locations, Scheifinger’s conclusion about new transnational modes of connectivity is neither new, nor touches it upon questions of identity.

The second section of the book broadly concerns questions of power, although the theme is not overtly evident in all chapters. Mirian Santos de Ribeiro de Oliveira (Chap.7) analyses the (re-)construction of transnational Indian identity through online NRI (Non-Resident Indian) forums. She describes NRI-oriented activities towards an inclusive Indian identity from the perspective of agents located in the ‘homeland’, therewith stressing the dynamics of simultaneous deterritorialization and reterritorialization. Unfortunately, the reader does not learn much about these agents, other than the changes their platform facilitates in terms of transnational connectivity.
Emilia Bachrach examines online advice forums of the Vallabh Vaishnava sect (Chap.8). Similar to Scheifinger, Bachrach notes that the sect’s online presence represents a continuation of ‘traditional’ forms of proselytization like pilgrimages and practices like the devotee-guru relationship. In comparison to Scheifinger’s observation, Bachrach identifies more than a digital support system and comes to two conclusions: Firstly, she observes demographic changes facilitated through the employment of new media (more young users); secondly, she demonstrates an impact on the very understanding of religion and ritual practice.
Ashish Saxena (Chap.9) renders a rather descriptive chronological account of the internationalization of Dalit activism. He confirms but does not explicate the initial question of how globalization “may become a means for their [Dalit] identity construction” (p.191). His account of Dalit groups and their diasporic involvement is well researched but a focus on online activism, other than listing websites and newsletters, is absent. The chapter’s incorporation into the volume appears more like the attempt to include a marginal perspective complementing the dominant focus on an elitist US-Hindu-diaspora. Goel’s contribution from the German-speaking region being the only other exemption, this is a commendable initiative since the almost exclusive view on Hindu migrants is a point of criticism.
Nevertheless, the book is a welcome addition to the growing scholarly corpus on transnationalism, online culture, and questions of identity for the Indian context. While some articles, especially in the first section, include interesting theoretical reflections, the strength of the book lies in the empirical case studies. For researchers and students the anthology is a good starting point to explore these questions. Practical assets are the glossary and a helpful index.

Rezension: Journalistinnen. Eine Geschichte in Biographien und Texten. 1848-1990

Klaus, Elisabeth; Wischermann, Ulla (2013): Journalistinnen. Eine Geschichte in Biographien und Texten. 1848-1990. Journalismus: Theorie und Praxis, Bd. 18. Lit-Verlag. 384 Seiten. ISBN: 978-3-643-50416-6

Christine Horz, Universität Erfurt

Die beiden Autorinnen Elisabeth Klaus und Ulla Wischermann, ausgewiesene Expertinnen auf dem Feld der kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung, legen mit „Journalistinnen“ einen kompakten und sehr informativen Band zum Leben und beruflichen Wirken von Print-Journalistinnen im deutschsprachigen Raum (Deutschland und Österreich) der vergangenen 150 Jahre vor. Das Buch richtet sich „als ein Lese- und Arbeitsbuch […] zum Schmökern und Querlesen, auch zum Nachschlagen“ (9) an alle, die sich für Journalismus und Publizistik und insbesondere für deren Akteurinnen interessieren. Der Band ist klar gegliedert und orientiert sich in acht Kapiteln entlang historischer Phasen, die sowohl die Frauen im Journalismus beeinflussten wie auch die portraitierten Frauen den Journalismus der jeweiligen Epoche mitprägten.
Erstaunlicherweise gibt es bislang keine derartige „Berufs- und Sozialgeschichte von Journalistinnen im deutschsprachigen Raum“ (9) (sieht man von Ulla Wischermanns Band „Frauenpublizistik und Journalismus“, [1998, vergr.], ab, der die Phase vom Vormärz bis 1848 umfasst). „Journalistinnen“ schließt also diese Lücke und leistet folglich einen wichtigen Beitrag zur deutschsprachigen Publizistik- und Mediengeschichte.

Mit der Einleitung liefern Klaus und Wischermann einen informativen Rahmen für die sich anschließenden Portraits in den verschiedenen Epochen. Noch in den 1920er Jahre bestand demnach ein dezidiertes Bewusstsein über die Frauenjournalistik, die – was fast in einem Nebensatz untergeht – zu jener Zeit u.a. eine politische Frauenpresse, Tageszeitungen und Frauenbeilagen umfasste. Nimmt man Studien über die (prägende und in einiger Hinsicht kritikwürdige) feministische Zeitschrift „Emma“ heraus, bestehen gegenwärtig große Wissenslücken hinsichtlich der journalistischen Arbeit von Frauen. Die Autorinnen führen die weiterhin bestehenden Ungleichheitsverhältnisse und Diskriminierungen im Journalismus auf diese Wissenslücken zurück, die die Kommunikatorforschung und Studien zur Berufsgeschichte bislang nicht beseitigt haben – denn noch immer nimmt die Forschung ganz überwiegend den männlichen Journalisten in den Blick, wie Klaus und Wischermann nachweisen – wohl weil ihm eher die Rolle als Welterklärer zugetraut wurde (und wird). Die kommunikationswissenschaftlichen Gender Studies, und damit auch der Band „Journalistinnen“, belegen eindrucksvoll, dass Frauen zu allen Zeiten in den Medien agiert und diesen ihren „Stempel mit aufgedrückt“ (11) haben.

Die Epochen zwischen 1848 bis 1990 zeichnen sich durch politische, soziale und mediale Umbrüche aus, die jeweils auch die Voraussetzung für Frauen im Journalismus veränderten. Die Autorinnen fokussieren in ihrer Berufsgeschichte und den Biographien der Journalistinnen demzufolge auf drei Dimensionen: „….die historisch-gesellschaftlichen Entwicklungen, […] den journalistischen und medialen Wandel […]“ sowie die „Veränderung der […] geschlechtsgebundenen Handlungsräume und Rollenerwartungen“ (13). Jedem Kapitel bzw. jeder Epoche geht entsprechend eine kurze Einordnung dieser Dimensionen voran, so dass der/die Leser/in sich gut in den Zeitgeist der jeweiligen Epoche, ihrer Journalismus- und Genderspezifik, hineindenken kann. Auf diese Kontextualisierungen folgen jeweils Biographien von vier bis fünf Journalistinnen /Publizistinnen, die mit Auszügen aus Originaltexten auch selbst zu Wort kommen. Die historische Einordnung zu Beginn eines jeden Kapitels erweist sich als segensreich, beziehen sich die Originaltexte doch häufig auf aktuelle politische Entwicklungen wie Kriegsvorbereitungen, zeittypische Bedingungen wie die staatliche Pressezensur oder die bürgerlich-moralische Pflicht einer jeden Frau, zu heiraten.

Das erste Kapitel beginnt begründet mit dem Jahr der bürgerlichen Revolution von 1848, weil die erstmals festgeschriebenen bürgerlichen Freiheitsrechte einen „grundlegenden gesellschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Wandel“ einleiteten (12). Auf Frauen wie Louise Dittmar (1807-1884) oder Louise Otto (1819-1895) wirkten diese Freiheitsrechte wie ein Signal, den „Aufbruch in die politische Öffentlichkeit“ (21) zu wagen sowie politisch-revolutionäre Ideen im Privatraum zu tradieren.

Das zweite Kapitel beschreibt „Stillstand und Aufbruch“ nach der 1848er Revolution (63), deren Niederschlagung zur Verfolgung und Ausweisung auch der Aktivistinnen geführt hatte. Die, die weiterhin publizistisch aktiv sein wollten, mussten das Verbot für Frauen, sich politisch zu betätigen, umgehen, etwa indem sie Bildungsvereine wie den ADF (Allgemeinen deutschen Frauenverein) gründeten (64). Beruflich tätig zu sein wie Lina Morgenstern (1830-1909) oder Hedwig Dohm (1831[33]-1919), die als Frau des Chefredakteurs der satirischen Zeitschrift Kladderadatsch selbst „satirisch gefärbte, äußerst scharfzüngige Streitschriften“ zu den herrschenden konservativen Geschlechterverhältnissen veröffentlichte (77/78), war für Frauen jener Zeit unüblich. Umso spannender ist es, in diesem Kapitel einige der Protagonistinnen kennenzulernen.

Das dritte Kapitel widmet sich der „Blütezeit der Frauenbewegung um 1900“ (103). Unter anderem wird hier die Journalistin Clara Zetkin (1857-1933) vorgestellt, die in den Geschichtsbüchern eher als sozialistische Aktivistin und spätere Reichstagsabgeordnete in Erscheinung tritt – und die im ideologischen Wettstreit des geteilten Deutschlands instrumentalisiert wurde. Umso verdienstvoller ist es, hier ihre journalistische Arbeit herauszustellen, die zwar nicht von ihrer politischen getrennt werden kann, die jedoch aus der kommunikationswissenschaftlichen Perspektive ihre weniger bekannte journalistische Tätigkeit würdigt.

Kapitel vier widmet sich der Phase des Ersten Weltkriegs und verortet die Journalistinnen jener Zeit zwischen „Kriegspropaganda und Friedensjournalismus“ (143). Tatsächlich überwog die Zahl der „Kriegsbefürworterinnen innerhalb der Frauenbewegung“ (144). Die wohl bekannteste publizierende Friedensaktivistin jener Zeit, die Klaus und Wischermann vorstellen, dürfte Bertha von Suttner (1843-1914) sein. Sie setzte sich jenseits differenztheoretischer Positionen dafür ein, Männer und Frauen gleichermaßen für die Friedensbewegung zu gewinnen (144 und 149f). Wie auch in allen anderen Kapiteln stellen die Autorinnen neben der gesellschaftspolitischen und der geschlechterspezifischen auch die mediale Entwicklung kurz und prägnant vor. So wird deutlich, dass das Anwachsen der Zeitungen vor dem 1. Weltkrieg auf 4.221 Titel mit der Militarisierung einherging. Gerade im Krieg war die Bevölkerung mehr denn je auf Medien angewiesen, was diese umso anfälliger für propagandistischen Missbrauch machte.

Das fünfte Kapitel behandelt die Zwischenkriegszeit (Weimarer Republik in Deutschland), die dahingehend die Freiheitsrechte der Frauen in Deutschland und Österreich stärkte, in dem das lange von der Frauenbewegung geforderte Wahlrecht der Frauen eingeführt wurde. Das Bild der „Neuen Frau“ – „Bubikopf, Anzug, Zigarette, lesbische Freundschaften und laszive Ausdrucksformen“ (183) bestimmte die mediale und kulturindustrielle Konstruktion der Frauen und spiegelte sich in der Tagespresse und in Zeitschriften wider. Allerdings ließen die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen weiter zu wünschen übrig (185).

Kapitel sechs befasst sich mit der Zeit des Nationalsozialismus. Hier legte die Rassenideologie und die Gleichschaltung der Medien von vorherein fest, welche Frauen überhaupt für journalistische Tätigkeiten in Betracht kamen (die als „arisch“ bezeichneten). Etwa 1300 linke und jüdische Journalisten und Journalistinnen verloren aufgrund des „Schriftleitergesetzes“ von 1933 ihre Arbeit. Demnach durften nur jene arbeiten, die dem „Reichsverband der deutschen Presse“ angehörten. Die Aufnahme war jedoch an eine Prüfung der politischen und persönlichen Voraussetzungen gebunden (220).
Die Autorinnen schreiben, dass der Zusammenbruch des NS-Staates schnell klar machte, wie tief die Kluft zwischen den Journalistinnen war, die sich mit dem „Reich“ arrangiert hatten wie Ursula von Kardoff (1911-1988) und jenen die aktiv dagegen angekämpft hatten und ins Exil gehen mussten wie Erika Mann (1905-1969).

Das siebte Kapitel behandelt die „Nachkriegszeit und die ‚langen 1950er Jahre’“ (257). Geprägt ist diese Zeit von der Re-Education der Bevölkerung, wobei die Gestaltung des Mediensystems durch die Siegermächte ein bedeutende Rolle spielte (260). Eingeleitet wird das Kapitel mit dem Portrait der renommierten Journalistin und langjährigen Zeit -Herausgeberin Marion Dönhoff (1909-2002), beendet wird es mit Ulrike Meinhof (1943-1976). Dazwischen werden noch eine weitere bundesdeutsche und eine österreichische Journalistin vorgestellt. Was diesem Kapitel jedoch fehlt, ist ein Blick auf die Journalistinnen des zweiten Deutschlands, der DDR. Es wäre sehr spannend gewesen, zu erfahren wie sich die Arbeit der Journalistinnen in beiden deutschen Staaten entwickelte, welche system- und gesellschaftsbedingten Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten es gab.

Im achten Kapitel weichen die Autorinnen von dem bewährten Schema der Journalistinnen-Biographie ab und stellen stattdessen prägende Titel der Frauenpresse wie AUF (1974-2011) oder Emma (seit 1977) der 1970er bis heute vor. Interessant ist, wie klein der Markt im deutschsprachigen Raum im internationalen Vergleich ist. Bedeutet das, dass die Gleichstellungspolitik (im Medienbereich) so weit fortgeschritten ist, dass es keiner Frauenpresse mehr bedarf? Wenn dies nicht der Fall ist – wie die Autorinnen belegen – was sind dann die Gründe, dass es beispielsweise im deutschsprachigen Raum keine Frauenpresseagenturen und keine Frauen-Tagespresse gibt?

Abschließend ziehen die Autorinnen auf etwa 20 Seiten ein Fazit, das sie „Bausteine einer Berufsgeschichte von Journalistinnen“ überschreiben (349). Hier umreißen sie, was die Einzelportraits an Differenzierungsmöglichkeiten offenlegen. Dazu gehören neben der Einbeziehung von Herkunft und Bildung der Journalistinnen auch das berufliche Selbstverständnis sowie die Rückwirkungen der Frauenbewegungen auf Medien und Journalismus. Das Resümee bietet weitere spannende Detailinformationen wie diese, dass die WDR-Frauengruppe den Anstoß zu einer Studie zur Situation der Journalistinnen und damit auch zur Kommunikatorinnenforschung gab.
Auf der Basis dieses Buches bietet sich ein internationaler Vergleich an, der sicher weitere überraschende Details zu Journalistinnen in unterschiedlichen Ländern und Zeiten zutage fördern dürfte. So hat beispielsweise die Frauenjournalistik im Iran (jeweils abhängig von der politischen Lage im Land) eine lange Tradition, wozu auch heute Frauen-Nachrichtenagenturen und feministische Tageszeitungen gehören.
Ein Medien- sowie ein Personenindex runden den Band ab und unterstreichen seine Zugänglichkeit und Lesbarkeit. Insgesamt bietet das Buch einen sehr informativen Einblick in Biographien, Berufsverständnis und die „Schreibe“ einzelner Journalistinnen – kann aber auch als zeithistorischer Überblick gelesen werden, der durch die Journalistinnen-Portraits personalisiert und dadurch sinnlich erfahrbar wird.

Review: Neoliberalism and Global Cinema. Capital, Culture, and Marxist Critique

Kapur, Jyostna & Wagner, Keith B. (eds.) (2011): Neoliberalism and Global Cinema. Capital, Culture, and Marxist Critique. Routledge. 356 pages. ISBN 978-0-415-85414-6

Irit Neidhardt, mecfilm Berlin

From the point of view of somebody who is working within the international film industry it is often surprising to read academic analysis of the own work. There is a huge gap between the realities we are working in and the external scholastic gaze. This might be due to the fact that the film industry sells illusions. No matter if a movie is called documentary or fiction and regardless of the amount of background information and making-of material published, cinema is, to speak with Jean-Luc Godard, not the reflection of reality but the reality of reflection. In many ways, I would say, it is the reflection of economic and political interests. Since its invention in 1896 film has been used as propaganda tool. The Paris Sound-Film Peace Treaty of 1930, an agreement between US-American Western Electric and German-Dutch Tobis Klangfilm, is maybe the widest known settlement of a clash of economic interests in the industry.

Communication among film professionals is rather informal and most of the published texts are advertisements in one way or another. In interviews directors, producers, actresses, actors, or other crew members promote their work and do not critically question it. They speak about their achievements and only on very rare occasions, mainly when politically opportunist, of restrictions or the films they could not make. Public speeches are used to thank the financers and prepare the funding of the next movie. Thus the majority of primary sources used by researchers support the manufacturing of cinematic illusions.

On this backdrop the title of the anthology Neoliberalism and Global Cinema. Capital, Culture, and Marxist Critique, edited by Jyostna Kapur and Keith B. Wagner, is promising. Cinema is a product of the industrialisation, it depends on apparatuses and its production is, till today, characterized by a heavy division of labour. From its outset cinema was expansionist and the access to the means of its production was limited, especially with regard to the colonies and the indigenous peoples in the Americas and Australia. An analysis of cinema that critically examines the multi-layered aspects of the industrial commodity film, caring for a historical perspective and being aware of questions of class would not restrict its sources to the various publicity materials produced for film releases.

The majority of the writings compiled in this book focus on film texts and not on film making though. Most of the authors rather look at how neoliberalism is represented or opposed to on screen than at how capitalism dictates, and enables, the productions. By doing so, they miss to uncover the usual discrepancy between the critical image and its neoliberal conditions of fabrication. They miss to ask why certain films are made and which scripts, more or less systematically, end up in the drawer. Why the mode of a film’s production can be far more oppositional, radical or emancipatory than the narration it provides.

Xudong Zhang’s article Market Socialism and Its Discontent: Jia Zhangke’s Cinematic Narrative of China’s Transition in the Age of Global Capital for example is an interesting and informative text on this famous director’s oppositional storytelling. Zhang mentions the importance of the introduction of digital cameras for the genesis of independent Chinese cinema without discussing any technical or economic questions. Nor does he relate Jia Zhangke’s work, especially his internationally operating production company Xstream Pictures (the company is never mentioned), to the economic reforms in the country. Jia Zhangke, whom industry magazine Variety called “a darling of the international art-house set”, had his works presented in the most prestigious international film festivals. He was invited to Berlinale, won a Golden Lion in Venice and is Best Screenplay Winner of Cannes International Film Festival. The digital cameras Zhangke uses are definitely of better quality than those the majority of independent filmmakers can afford. The same is true for his access to post-production means. Otherwise neither image nor sound would be good enough to present the movies to an international professional audience as part of the most honourable competitions in major festival palaces. Films’ poor technical quality is a frequent reason to exclude them from competitions. In Europe and the United States Jia Zhangke is celebrated as the first independent director/producer in China. He is a discovery. Of what or of whom is he independent? What does he turn away from and what is he opening up to? Which alliances does he need or does he compromise on? Which new dependencies do the oppositional stance and the huge international success create? Or isn’t he maybe that exceptional within the Chinese context?

In “Leitmotif”: State, Market, and Postsocialist Film Industry under Neoliberal Globalization Ying Xiao writes about the “torturous divorce battle” (p. 162) that filmmakers underwent with the Chinese state in the mid-1990s and the new productions that “embrace self-enterprise and market-driven modes of governing” (p. 163). Unfortunately the text is rather descriptive and the author does not elaborate much, for example, on the conditions under which the new technology imports are made accessible or on the role international film festivals play in the emergence of the new independent cinematic movements in China or elsewhere is the post-Third World. Yet the contribution helps to get a sense of the environment in which Jia Zhangke and his Xstream Pictures operate.

Regrettably these two articles are the only ones in the anthology that complement each other and thus stimulate thought and understanding.

Because of being a product of the industrialisation and because of colonialism cinema has always been global and in large parts cultural imperialist. No matter in which costume capitalism appears, the film industry is part of it. Standardized technology and the according protection of patents have always been allowing the big studios to control huge markets and dominate exhibition space as much as they always have been allowing oppositional groups to make their work visible world wide.

The missing debate of the dilemmas inherent to the film industry might be one reason for the nationalistic tone of several contributions to this anthology. In their field research Mainlandization and Neoliberalism with Post-colonial and Chinese Characterstics: Challenges for the Hong Kong Film Industry Mirana M. Szeto and Yun-Chung Chen decided to foreground the perspectives of industry practitioners about their artistic expression and working conditions rather than relying on trade and profit figures (p. 249). For the research they spoke also to tycoons of the Hong Kong film industry and uncritically repeat their lamentations about the decline of the tycoons’ business shares since the end of British rule over Hong Kong in 1997. Although the authors mention that the protection of Hong Kong films was eroded with the end of the Cold War, the end of Martial Law in Taiwan (1988) and the end of the British Rule they do not ask why it was the movies produced in the Crown Colony of all the non-European and non-US-American films that, for decades, gained international economic success. They favour protection of the Hong Kong film industry despite the new political status. The latter for sure led to redistribution, the territorial transfer of the industry, and the shrinking of the tycoons’ market shares. In such cases employees always loose the jobs. Without downplaying the social effects of the post-colonial Hong Kong situation, in the absent look at the situation of the film industry in general and the persistent emphasis on the downgraded situation of the own nation, swing patriot tones that surprise. Given the editors’ claim that the theory and methodology applied for the book at hand is Marxism this lack of consideration for the larger political and socio-economic picture as well as ignoring the challenge to discuss insolvable contradictions is staggering.

In French Cinema. Counter Model, Cultural Exception, Resistances Martin O’Shaughnessy goes as far as to see French cinema as part of a wider anti-globalisation movement. By stating a dichotomy between open market USA and regulated France he largely connives at the economic and political interests the French state is protecting by the regulation of the film industry. Indeed, he briefly mentions the connection between the French funding of films from the Global South and the country’s colonialist past, yet without looking at the structural continuities or mentioning the many ongoing debates around the subject. Also the listing of film titles that deal with questions of globalisation is not convincing as long as the films and their making are not analysed. Under the subheading “Cinema as Resistance” O’Shaughnessy writes, amongst others, about Hubert Sauper’s Darwin’s Nightmare as “one of French coproduced documentaries, that make commodity production and consumption their main target” (p. 342). Sauper’s high budget, oscar-nominated documentary about the connection between the fish and the arms industries in Tanzania would have been a good example for critical investigation. That the Tanzanian president had set up a parliamentary committee to investigate the film’s effect on the local fish industry, claiming that it had hurt the country’s image and caused a slump in exports of Nile Perch might be seen as prove that films can have direct political effects. Yet the movie did not only upset the ruling class. Sauper’s staged reality and beautified misery was criticised and disliked by many film professionals and audiences. With respect to resistance and Marxist critique Darwin’s Nightmare calls to question the oppositional nature of the film and to explore the function of publicly sponsored critical artwork to the state’s own political and economic system.

Jonathan Haynes article Nollywood in Lagos, Lagos in Nollywood Films was originally published in Africa Today. Hence it is not surprising that it does not relate much to the anthology’s subject, yet it is an enriching reading. In Cuban Cinema: A Case of Accelerated Underdevelopment Michael Chanan takes a look at the interrelation between technology, politics and film aesthetics with an historical perspective. Irrespective of the Cuban example the contribution is absolutely worth reading for anybody interested in film politics.

Rezension: Kairo. Offene Stadt: Neue Bilder einer andauernden Revolution

Ebner, Florian / Wicke, Constanze (Hrsg.) (2013): Kairo. Offene Stadt: Neue Bilder einer andauernden Revolution. Leipzig: Spector Books, 230 Seiten, ISBN: 978-3-940064-70-7

Felix Koltermann (Link: www.fotografieundkonflikt.blogspot.com)
Universität Erfurt

Auch drei Jahre nach den Massenprotesten in Kairo, dem Sturz von Präsident Mubarak und dem Zusammenbruch seines Regimes steht der Tahrir-Platz als Symbol für den Protest der ägyptischen Bevölkerung und ihrer bis heute unvollendeten Revolution. Dies zeigt sich auch auf dem Buchmarkt, wo eine ganze Reihe von Publikationen zu finden sind, die aus künstlerischer, literarischer oder wissenschaftlicher Perspektive die Ereignisse auf und um den Platz sowie seine symbolischen Bedeutungen zum Ausgangspunkt nehmen. Dies ist auch das Thema des von Florian Ebner und Constanze Wicke herausgegebenen Bandes „Kairo. Offene Stadt“ der im Nachgang der gleichnamigen Ausstellung, die im Jahr 2013 im Museum Folkwang in Essen sowie an verschiedenen anderen Stationen in Deutschland zu sehen war, erschienen ist. Der Band ist konsequent dreisprachig in Arabisch, Deutsch und Englisch gehalten. Der Textteil (S. 35 – 80) und die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten werden zu Beginn und zum Ende des Buches von Bildergalerien gerahmt. Dort finden sich unter anderem historische Fotografien, Bilder aus Galerien des Online-Portals Flickr, lokaler Medienkollektive und Bürgerjournalisten sowie professioneller ägyptischer und internationaler Fotografen. Sofort ist man dank dieser Bilder inmitten des Geschehens. Eine inhaltliche Einordnung findet in drei längeren Texten der Herausgeber sowie des Dokumentarfilmers Philip Rizk und der ägyptischen Künstlerin Lara Baladi statt. Ergänzt werden diese eher wissenschaftlich-essayistischen Texte durch Interviews mit Aktivisten und eine Vorstellung verschiedener in Ägypten aktiver Medienkollektive (S. 141 – 208).

Mit ihrem Einleitungstext skizzieren die Herausgeber ihren Weg von einem ursprünglich rein empathischen Zugang zu den Ereignissen in Kairo zu einem empirischen Sammeln visueller Zeugnisse. Demnach waren sie von der Frage umgetrieben, ob „sich im Arabischen Frühling die demokratische Dimension, welche der digitalen Kultur eingeschrieben zu sein scheint“ (S. 47), konkretisiert. Die massenhafte Verbreitung visueller Zeugnisse auf Youtube, Flickr oder Facebook ermöglichte es ihnen, „eine Art typologischen Querschnitt durch die Bildproduktion der Revolution zu liefern“ (S. 48) und dem Vergleich und der Interpretation durch den Leser zur Verfügung zu stellen. Dabei sind sie, trotz einer kritischen Einordnung der Bildkultur des Web 2.0, optimistisch gegenüber deren sich in Ägypten konkretisierenden Potentials, Empathie erzeugen zu können und damit die „zu einem rhetorischen Muster verkommene(n) Kritik Sontags an der Fotografie“ (S. 51) zu revidieren.

Einen radikal anderen Zugang zum Thema wählt der in Ägypten lebende und arbeitende Dokumentarfilmer Philip Rizk. Er spricht in seinem in Form eines Briefs geschriebenen Text den Leser direkt an und fragt, welche Rolle dieser bei der Konstruktion der Bedeutung und der Einordnung der Ereignisse in Ägypten spielt und versucht die Logik des Betrachtens offenzulegen. Rizk warnt vor einer Überglorifizierung der Proteste und kritisiert die damit verbundene Reduzierung der Proteste auf eine internetaffine, gebildete Mittelschicht und damit den Teil der Bevölkerung, der dem westlichen Medienkonsumenten am nächsten steht und vertraut erscheint (S. 61). Während er in den Aufständen von 1968, als dem zentralen Referenzpunkt Europas für Widerstand und Aufruhr, eine organisierte und intellektuell begleitete Revolution sieht, bezeichnet er die Geschehnisse in Ägypten im Jahr 2011 als einen „Aufstand aus Unzufriedenheit mit der politischen Realität unter neokolonialen Bedingungen“ (S. 63). Damit trägt er dazu bei, das Projekt „Kairo. Offene Stadt“ als einen kritischen diskursiven Raum zu begreifen und positiv von revolutionärer Lobhudelei abzuheben.

In ihrem Essay „Wenn sehen heißt dazuzugehören: Die Bilder vom Tahrir-Platz“ setzt sich die ägyptische Künstlerin Lara Baladi mit dem Verhältnis visueller Konfliktdarstellung und den Ereignissen in Ägypten auseinander. Den Bürgerjournalismus, wie er sich bei den Bildern der Menschen vom Tahrir-Platz in Reinform zeigte, leitet Lara Baladi von 9/11 ab, als dem „erste(n) historische(n) Großereignis des einundzwanzigsten Jahrhunderts, das von hunderten Menschen mit Digitalkameras“ (S. 75) dokumentiert wurde. Durch die Digitalisierung der Fotografie und Social Media sieht sie einen Durchbruch in der Demokratisierung der Fotografie. Gleichzeitig zeige sich die Fotografie in der Revolution als radikal „politische Handlung“ (S. 77) und breche so mit der Bildkontrolle des Mubarak-Regimes. Trotzdem verneint sie nicht die mit der Bilderflut verbundenen Risiken und mahnt ihn Anlehnung an Villem Flussers Essay über die Fotografie: „Bilder werden in rasanter Geschwindigkeit verbreitet und anschließend mit fehlender Distanz gedeutet“ (S. 78).

Welche schier unermesslichen Möglichkeiten es bei der bildnerischen, hauptsächlich fotografisch und filmischen Auseinandersetzung mit der Revolution in Ägypten gibt, zeigen die im Band abgedruckten Arbeiten. Heba Farids Sammlung historischer Bilder zeigt anschaulich die Geschichte der Repression im Ägypten des 20. Jahrhunderts. Die Bilder der Fotojournalisten der privaten ägyptischen Tageszeitung Al-Shorouk dagegen nehmen den Betrachter mit in den Alltag der Revolution und des Protests. Noch zu Zeiten des Bilderverbots des Mubarak-Regimes fotografierte Eva Bertram Kontrolltürme im Großraum von Kairo aus dem Auto heraus und fasste sie in der Serie „High Seats“ zusammen. Denis Dailleux setzt in „Memories of a Revolution“ durch Porträts von Angehörigen der Märtyrer der Revolution den Toten des Aufstands ein visuelles Denkmal. Die aufgrund der Ausgangssperre nach dem Sturz Mubaraks menschenleeren Straßen in Downtown Kairo filmte der Künstler Kaya Behkalam und versah diese mit Audiokommentaren von Menschen die über ihre Ängste reden.

Aber nicht nur der fotografischen und künstlerischen Auseinandersetzung wird im Katalog Raum gegeben. Auch die mediale Darstellung der Ereignisse in Ägypten wird begleitet und dokumentiert. Einfach, aber sehr aussagekräftig ist die Gegenüberstellung der Titelseiten nationaler und internationaler Tageszeitungen zu bestimmten Ereignissen der Revolution an der sich die unterschiedlichen Bildkulturen der Presse exemplarisch zeigen. Von großer Nähe zu den Ereignissen zeugen die von Alex Nunns zwischen 2011 und 2013 gesammelten Twitternachrichten. Aneinander gereiht ermöglichen sie quasi eine Live-Nacherzählung der Ereignisse im Sekundentakt.

Die Herausgeber Florian Ebner und Constanze Wicke wurden bei dem Projekt immer wieder von der Aktualität der Ereignisse und aktuellen Entwicklungen in Ägypten überrollt. So stellt die eigentliche Publikation die Ereignisse bis Juni 2013 dar. Ein Einleger versammelt darüber hinaus noch einmal Material das vom Juli und August 2013 nach dem Sturz Mursis stammt und die zunehmende Polarisierung in der ägyptischen Gesellschaft darstellt. Auch dies ist angesichts der aktuellen politischen Situation schon wieder überholt. Aber so bleibt Projekten wie diesem nichts anderes als an einem bestimmten Punkt einen willkürlichen Schnitt zu setzen.

Wer die Ausstellung in Berlin, Braunschweig, Essen oder Hamburg gesehen hat, der weiß wie vielschichtig und angesichts der Fülle der Bilder zum Teil überfordernd schon die Präsentation an der Wand und im Raum war. Dies in einer linearen Abfolge in einem Buch umzusetzen, ist ungemein schwieriger. Filme und Videos verkommen zu Stills, der Sound und damit der emotionale Zugang fehlen. Trotz allem ist „Kairo. Offene Stadt“ ein wunderbares Dokument der Zeitgeschichte und ein fast unerschöpfliches Archiv für diejenigen, die das Buch zum Ausgangspunkt weiterer Recherchen sowohl zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den revolutionären Umbrüchen in Ägypten als auch zur Recherche über die visuelle Kultur, die sich um diese herum entwickelt hat, nehmen wollen. „Kairo. Offene Stadt“ ist radikal politisch und nah dran an den Geschehnissen der Revolution, ohne dabei in Revolutionseuphorie zu verfallen. Dabei ist zu hoffen, dass der Leser beim Betrachten eine ähnliche Erkenntnis gewinnt wie Florian Ebner und Constanze Wicke, die darin besteht, dass „die Repräsentation nicht wichtiger ist als die Realität, dass die Bilder auch den Blick auf das verstellen können, worauf sie eigentlich verweisen“ (S. 47).

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