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Review: Lautsprecher & Widersprecher. Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme

Blum, Roger (2014): Lautsprecher & Widersprecher. Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme. Köln: Herbert von Halem. 444 Seiten, ISBN: 978-3869620497

Indira Dupuis, Freie Universität Berlin

Roger Blums „Lautsprecher & Widersprecher“ ist ein Beitrag zur ländervergleichenden Mediensystemforschung. Der Titel des Buchs spielt an auf das unterschiedliche Rollen-selbstverständnis von Journalisten in den verschiedenen weltweit existierenden Medien-systemen. Den hier dargestellten „pragmatischen Differenz-Ansatz” hat Blum bereits seit einigen Jahren in der Fachwelt diskutiert und nun endlich in aller Ausführlichkeit in Buchform bringen können. Trotz des theoretischen Anspruchs ist das Buch sehr lesbar geschrieben und hat nahezu Lehrbuchcharakter.

Einleitend wird ein Überblick über die bisherigen vergleichenden Mediensystemtheorien gegeben beginnend bei Siebert, Peterson & Schramms “Four Theories of the Press” (1956) über Osmo Wiios “The Mass Media Role in the Western World” (1983) bis zu “Comparing Media Systems” von Daniel Hallin und Paolo Mancini (2004). Im zweiten Teil folgen kurze Portraits von 23 Ländern, die exemplarisch für die verschiedenen Mediensystemtypen ausgewählt wurden. Im dritten Teil entwickelt Blum seinen Ansatz, wobei er Dimensionen von Hallin und Mancini übernimmt und mit weiteren Kriterien komplementiert. Während er wie Hallin und Mancini vom Primat des politischen Systems in seiner Bedeutung für die spezifische Ausprägung der Mediensysteme ausgeht, bezieht er sich weniger als diese auf die vergleichende Politikwissenschaft. Analyseeinheit ist der einzelne Staat – eine Perspektive, die allerdings in der vergleichenden Kommunikationswissenschaft aktuell kritisch diskutiert wird, weil sie zum einen transnationale und regionale Dynamiken sowie entsprechende und weitere Äquivalenzproblematiken übersieht (siehe hierzu z.B. Esser 2014; Brüggemann, Wessler 2012).

Blum ordnet die 23 Beispielländer nach elf Kriterien: Politisches System, historische Entwicklung und politische Kultur eines Landes, Medienfreiheit, staatliche Kontrolle, Medienbesitz und -finanzierung, politischer Parallelismus und Medienorientierung sowie journalistische Kultur und Professionalität. Die Kriterien beinhalten zumeist ein bis zwei Merkmale, z.B. wird bei der historischen Entwicklung des Landes die Kontinuität bzw. Diskontinuität der politischen Regierungssysteme betrachtet. Leider werden die Merkmalsausprägungen in ihrer Verhältnismäßigkeit nicht diskutiert. Das daraus entwickelte Punktesystem erschließt sich entsprechend nicht explizit hinsichtlich der Wertigkeit der einzelnen Kriterien und in Einzelfällen ist die Verteilung der Punkte nicht eindeutig nachvollziehbar. Beispielweise wird hinsichtlich des Merkmals Medienbesitz, das in seiner Ausprägung zwischen reinem Privatbesitz (10 Punkte), Mischbesitz von privat und öffentlich, wobei privat überwiegt (7 Punkte), Mischbesitz mit Staatstendenz (4 Punkte) und rein öffentlichem Besitz (1 Punkt) variiert (vgl. S. 329ff.), Deutschland mit sieben Punkten und Lettland mit vier Punkten bedacht, wobei es sowohl in Lettland als auch in Deutschland gleichermaßen Public Service Rundfunk, privatwirtschaftlichen Rundfunk und privatwirtschaftliche Presseunternehmen gibt.

Die Kriterien ordnet Blum in ein Schema mit Typ A-Mediensystemen, die eine liberale Linie kennzeichnet, Typ B mit einer mittleren Linie und Typ C mit einer regulierten Linie (S. 295). Daraus entwickelt er die sechs abschließenden Mediensystemtypen: Das liberale Modell (USA, Luxemburg und Brasilien) in kapitalistischen Demokratien mit nahezu unregulierten, stark kommerziellen Medienmärkten. Das Public Service-Modell (Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweiz und Großbritannien) das nicht nur durch diese spezielle Organisationsform, sondern auch durch die Orientierung der Akteure im Mediensystem an journalistischen und gesellschaftlichen Werten charakterisiert ist. Das Klientel-Modell (Italien, Lettland, Libanon und Ghana) mit starkem Einfluss des Staats, politischem Parallelismus zwischen Parteien und bestimmten Interessengruppen und den Massenmedien sowie den charakteristischen klientelistischen Strukturen in Politik und Medien. Das Schock-Modell (Russland, Türkei, Thailand, Senegal), das geprägt ist durch eine willkürliche Zensur, das Patriotische Modell (Iran, Weißrussland, Agypten) in autoritären Staaten mit strenger Medienkontrolle und das Kommando-Modell (Nord Korea, China, Syrien, Kuba) mit staatlichem Mediensystem.

Das Buch „Lautsprecher & Widersprecher“ eignet sich dank seiner Länderstudien gut für den universitären Unterricht zum Vergleich von Mediensystemen, insbesondere wenn man einen historischen Fokus wählt. Neue Entwicklungen, wie die raschen Veränderungen der Pressemärkte, die Herausforderungen durch Medienkonvergenz oder die Veränderungen in der Medienrezeption im Internet-Zeitalter sind allerdings nicht berücksichtigt. Dadurch wird wieder einmal deutlich, dass die Komplexität des Mediensystemvergleichs gegebenenfalls besser von internationalen Forschungsnetzwerken zu bewältigen ist, die lokale Perspektiven und Spezifika inkorporieren und damit eine euro-zentrische Sichtweise überwinden sowie bestenfalls auch den traditionell nationalstaatlichen Ansatz erweitern können. Dennoch gibt Roger Blums Buch eine hervorragende Übersicht über die Entwicklung der Massenmedien-Systeme im 20. Jahrhundert und die Forschung zu diesem Thema.

As if they do not exist. Images of (be)longing and of owning Palestine

Irit Neidhardt | PDF-Fulltext

Abstract: Films from or about Palestine are frequently programmed at international film festivals. They are sometimes released in cinemas and quite often presented in special screenings at various institutions all over the Western World. Due to the scarcity of screens and the boycott of Israel, they are seen to a lesser extend in Arab countries. Compared to screenings of other Arab films or the presentation of movies from other former colonies and mandatory territories, Western audiences often react highly emotional to the images from Palestine. In debates questions for a better understanding of the films’ subject or context are barely ever asked. Rather the foreign spectators seem to have a sense of belonging and to claim the right for co-determination. Where do these emotional ties originate from?
In recent years a large number of films shot in Palestine during the late Ottoman period and the British mandate were made accesssible online, mainly by the Steven Spielberg Film Archive in Jerusalem and the British War Museum in London. Libraries like the Library of Congress in Washington digitized parts of their photographic collections. Based on them as well as on the films I work with as distributor and programmer for Arab film series, in this article I look at images on and from Palestine and ask for what purpose, in which context and by whom they were made and distributed.

Transformation der Mediensysteme in fragilen Staaten am Fallbeispiel Afghanistan

Kefa Hamidi | PDF-Fulltext

Abstract: In diesem Beitrag wird die Transformation der Mediensysteme in fragilen Staaten analysiert und gefragt, ob die Liberalisierung und Kommerzialisierung der Mediensysteme in fragilen Saaten im Interesse der Staatsbildung ist. Dazu wird das Fallbeispiel Afghanistan betrachtet. Die Liberalisierung des Medienmarkts hat, wie man in Afghanistan sehen kann, auf unterschiedliche Weise eine starke Fragmentierung des Mediensektors zur Folge. Daraus wird die These entwickelt, dass die „Power to the market“-Strategie im Mediensektor der fragilen Staaten zwar eine Vielzahl an Medientiteln, aber selten qualitative Medienvielfalt hervorbringt. Dazu kommt, dass die Medienlandschaft von oligarchischen Tendenzen geprägt ist. In diesem Kontext entwickelt sich ein Journalismus, der von Polarisierung und Boulevardisierung gekennzeichnet ist.

Hitler and Humor: Coming to Terms with the Past Through Parody

Giuliana Sorce | PDF-Fulltext

Abstract: Recent developments in German television programming represent Adolf Hitler and his Nazi regime through comedic entertainment. While these programs do not poke fun at the Holocaust itself, they are utilizing the image of Hitler for parodistic purposes. Similar to existing foreign media depicting Hitler as a foolish ruler with farcical mannerisms, newer programs such as the comedy show Switch Reloaded and the movie Hotel Lux show a clumsy and gullible Hitler. This essay argues that these recent representations of Hitler are contributing to the ongoing cultural conversation of the Holocaust, while also encouraging new ways in how Germans can culturally cope with their recent past. Drawing on parody and cultural trauma research, this essay offers evidence from German national media reviews and newspaper articles.

Media Accountability Online in Israel. An application of Bourdieu’s field theory

Ronja Kniep | PDF-Fulltext

Abstract: Due to structural changes in journalism, such as deregulation, privatisation and the influence of new technologies, it has become increasingly important to study media accountability (MA). By applying Bourdieu’s theory of social fields, this paper proposes a new approach to do so: MA is defined as a function of both journalistic autonomy and influence in the media field. Here, online communication potentially widens the scope of action for media’s transparency, responsiveness as well as the articulation of media criticism by a variety of actors. In Israel, media criticism is driven by the agent’s struggle for interpretive authority over public discourse in a politically polarized society. Semi-structured interviews with Israeli journalists, media activists and experts suggest that journalistic agents who have yet to earn credibility and reputation exploit online communication to its full potential, while agents in the field of power tend to dismiss online criticism. The influence of the audience’s media criticism is not solely dependent on the technical ability of connecting and hearing the voices of the masses; it has to be in combination with symbolic or political capital. However, the demand for media’s social responsibility is also related to being more careful and less critical, which is very evident in Israel. Thus, it is important to critically reflect on what happens when media accountability practices become more efficient and a stronger sense for “being watched” develops.

Boulevardisierung – Fernsehunterhaltung zwischen Quality und Trash? Eine feministische Perspektive

Elisabeth Klaus | PDF-Fulltext

Abstract: Der Diskussionsbeitrag reflektiert anhand zweier unterschiedlicher neuerer Fernsehangebote, die als Reality TV und als „Quality TV“ bezeichnet werden, wie Qualitätsurteile von Medienkritik und Medienwissenschaft gefällt werden. Unter einer feministischen Perspektive wird beispielhaft gezeigt, dass Geschlechterstereotype und die Trivialisierung von Menschen, die nicht der weißen Mittelschicht angehören, die Serien in beiden Angebotsformen dominieren und es gleichermaßen dazu auch andere Beispiele gibt. Für eine kritische Medienforschung ist es zwingend, die verschiedenen Momente des Medienprozesses – Produktionsprozess, Medientext und Rezeption – nicht in eins zu setzen und gleichermaßen ästhetische und ideologische Aspekte in Qualitätsurteilen zu berücksichtigen.

„Ne, das kann ich besser!“ Motive und Bedeutung der Contemporary TV Drama Serie The Mentalist für FanfictionautorInnen

Julia Elena Goldmann | PDF-Fulltext

Abstract: Einzelgänger und Außenseiter, die sich durch exzessives Konsumverhalten und extensives Trivialwissen um ein populärkulturelles Produkt auszeichnen – auch heute ist das Bild der Fans noch stark von Stereotypen geprägt. Meistens wird Fantum jedoch nicht mit Aktivität oder gar Kreativität gleichgesetzt. Viele Fans sind aber genau das: aktive ProduzentInnen von kulturellem Kapital. Dieser Artikel fokussiert eine derartige Fanaktivität: die Produktion von Fan Fiction. Darunter versteht man Fan-generierte, fiktionale Geschichten, die Charaktere sowie bestimmte Handlungselemente eines bestimmten (populärkulturellen) Ausgangsproduktes – hier: die Serie The Mentalist – beinhalten, und heute auf entsprechenden Internetseiten gepostet werden. Dieser Artikel beschäftigt sich mit Bedingungen sowie Motivationen für die Produktion von deutschsprachiger Fan Fiction und der anschließenden Veröffentlichung derselben auf der Seite www.fanfiktion.de. Es wird gezeigt, dass die AutorInnen derartiger Texte, die eine immense Bandbreite aufweisen, sehr organisiert vorgehen. Des Weiteren wird die Bedeutung der Austausch- und Review-Möglichkeiten auf den Fan Fiction Websites hervorgehoben, die sehr zentral für die interviewten fünf AutorInnen ist.

Rezeptionsmotivation von Serienzuschauern – Wandel der Fernsehserienrezeption und die Herausforderungen ihrer theoretischen und methodischen Erfassung

Annekatrin Bock | PDF-Fulltext

Abstract: Um zu verstehen, welche Gründe Zuschauer_innen zur Serienrezeption motivieren, entwickelt der Beitrag zunächst als theoretischen Bezugsrahmen das Vierfeldschema der Rezeptionsmotivation. Unter Rückbezug auf Theorien und Begriffe der Wirtschafts- und Sozialpsychologie (Attribution, Motivation) leistet der Text einen theoretischen Übertrag für die kommunikationswissenschaftliche Rezeptions- und Aneignungsforschung. Im Vierfeldschema werden jene Rezeptionsmotive subsumiert und in Relation gesetzt, die zum einen mit der Person des_der Rezipient_in und zum anderen mit dem Produktions- und Vermarktungskontext von Serien verknüpft sind. Das Vierfeldschema der Rezeptionsmotivation dient zudem als Ausgangspunkt für eine umfassende empirische Studie zur Rezeptionsmotivation von Serienzu-schauer_innen, welche in Auszügen im Beitrag diskutiert wird. Insbesondere die methodischen Herausforderungen für die gegenwärtige Serienrezeptionsforschung werden dabei thematisiert und am Beispiel der durch Onlinedistribution angestoßenen Veränderungen des Rezeptionsverhaltens von Serienzuschauer_innen reflektiert. Der Beitrag schließt mit einer kritischen Perspektive auf die gegenwärtige Serienrezeptionsforschung und deren Leistungsvermögen in Zeiten intermedial vernetzter Medienprodukte.

Thompson revisited. Ein empirisch fundiertes Modell zur Qualität von „Quality-TV“ aus Nutzersicht

Michael Harnischmacher & Benjamin Lux | PDF-Fulltext

Abstract: Was bedeutet das Attribut „Quality-TV“ eigentlich für das Publikum? Nach welchen Kriterien beurteilen Zuschauerinnen und Zuschauer, ob eine Serie Qualitätsfernsehen ist oder nicht? Im Bereich der rezipientenorientierten Qualitätsforschung bezüglich Fernsehserien sind bislang fast ausschließlich qualitativ erhobene Modelle bedeutsam, am bekanntesten sicherlich die bereits 1996 von Robert J. Thompson vorgeschlagenen 12 Kriterien. Die vorliegende Untersuchung widmet sich nun der Frage, ob diese Qualitätskriterien tatsächlich die „richtigen“ sind. Sind sie für die Zuschauer/innen von Serien bedeutsam für die Einschätzung, ob ein Programm „Quality-TV“ ist oder nicht? Bislang fehlt eine empirische Fundierung der einzelnen Merkmale. Ebenso ungeklärt ist bislang, ob es eine Rangfolge dieser Merkmale gibt. Welche sind bedeutsamer, welche weniger wichtig für die Wahrnehmung einer Serie als Qualitätsprodukt? Die Studie hat Thompsons Vorschlag (unter Bezugnahme auf weitere Studien zum Thema (z.B. Cardwell 2007; Feuer 2007; Dreher 2010; Blanchett 2011; Kumpf 2011) operationalisiert und in einer standardisierten Befragung der Nutzer von 13 Onlineforen zu Qualitätsserien (n=1382) getestet. Auf Basis dieser Befragung kann statistisch nachgewiesen werden, welche Merkmale von den Zuschauer/innen als besonders wichtig angesehen werden und wie diese zu Qualitätsfaktoren zusammengefasst werden können, die das Phänomen „Quality-TV“ aus Zuschauersicht tatsächlich beschreiben können.

Scholars as Audiences, Symbolic Boundaries, and Culturally Legitimated Prime-Time Cable Drama

Michael L. Wayne | PDF-Fulltext

Abstract: This article addresses Jason Mittell’s controversial essay “On Disliking Mad Men” (2010) in the cultural context of post-network television. The author uses 72 critical reviews of five HBO series to place Mittell’s argument alongside other rhetorical strategies that resist the prestige associated with high-status prime-time cable dramas. In relation to these rhetorical strategies, the troubled publication history of and negative scholarly reactions to Mittell’s essay are understood as indicative of elite post-network television audiences policing the symbolic boundaries surrounding culturally legitimated texts.

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The German Edition is edited by Prof. Dr. Carola Richter and Dr. Christine Horz and hosted at Freie Universität Berlin and the University of Erfurt.

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