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Editorial

Diese zweite Ausgabe des Global Media Journals (Deutsche Edition) befasst sich mit Migrations- und Integrationsdiskursen in den Medien. Der call for papers war unter dem Eindruck der massiven öffentlichen Debatte über die Thesen Thilo Sarrazins Ende des Jahres 2010 entstanden. Der mediale Umgang mit Sarrazins Thesen führte uns wieder einmal eine zentrale Frage der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Forschung vor Augen, nämlich die nach den Wechselwirkungen zwischen Medienberichterstattung und gesellschaftlichen Diskursen im Kontext von Migration.

Nicht immer werden rassistische Thesen auf so erschreckende Weise in die Tat umgesetzt wie von dem norwegischen Attentäter Anders Breivik oder dem deutschen Neonazi-Netzwerk. Aber Medien als Publikationsorgane und gesellschaftliche Institutionen, gestalten als Akteure die kulturelle, politische und soziale Konstruktion von EinwandererInnen und Minderheiten als „Andere“ mit. Hier setzen die Autorinnen und Autoren der vorliegenden Ausgabe des GMJ-DE an. Den Auftakt machen Elisabeth Klaus und Ricarda Drüeke (Salzburg). In ihrer eindrucksvollen Fallstudie belegen sie die Hierarchisierung der MigrantInnen in „Erwünschte“ und Unerwünschte“ in der österreichischen Presse. Die darin zitierten Einzelfälle können letztlich als wenig distanzierte Medienerzählungen der österreichischen Migrationspolitik gelesen werden. Auch im folgenden Beitrag von Ulrike Irrgang (Erfurt) werden stark polarisierende Medienimages von EinwandererInnen in den deutschen Meinungsführermedien DER SPIEGEL und BILD deutlich – etwa wenn die Darstellung von MuslimInnen zwischen prominenten Persönlichkeiten und Islamismus/ Terrorismus oszilliert und dadurch wenig Platz für die Berichterstattung über den breiten Zwischenraum muslimischer Lebensentwürfe lässt. Dennis Lichtenstein; Christiane Eilders und Julija Perlova (Düsseldorf, Hamburg) gehen anschließend am Beispiel der russischen Minderheit in Lettland der Frage nach, welche Rolle mediale Öffentlichkeiten für die Identitätsbildung in Vielvölkerstaaten haben. Wie die exterritoriale Identität der Roma in den Öffentlichkeiten in Slowenien und Polen widergespiegelt wird, untersucht der darauffolgende Artikel von Magdalena Ratajczak (Wroclaw). Hier geht es auch um europäische Minderheitenrechte, welche die Repräsentation der eigenen Kultur in den Medien sicherstellen sollen.

Außerhalb der thematisch fokussierten Sektion dieses GMJ untersuchen Susan Schenk und Mohammed Ahmed (Dresden, Kairo) anhand einer Framinganalyse die Berichterstattung von Al Jazeera Arabic und CNN International über die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 im Iran.

In dem Interview der Herausgeberinnen mit Sabine Schiffer (Erlangen) nehmen die Gesprächspartnerinnen nochmal den größeren Zusammenhang der medialen Migrations- und Integrationsdebatten in den Blick. Schiffer beschreibt die Konstruktion antimuslimischer Ressentiments in den Medien als Ausländerberichterstattung im neuen Gewand und insofern als jahrzehntelang gewachsenen Ausgrenzungsdiskurs – mit dem sich die Gefährdung der Demokratie durch die aktuelle Wirtschaftskrise wirksam verschleiern lasse.

Zwei Buchrezensionen runden diese Ausgaben des GMJ-DE ab.

Wir wünschen eine spannende Lektüre,

Christine Horz & Carola Richter

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The German Edition is edited by Prof. Dr. Carola Richter and Dr. Christine Horz and hosted at Freie Universität Berlin and the University of Erfurt.

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